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Freiland : ein soziales Zukunftsbild
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mache, was bloße Begriffe doch nur in schattenhaften Umrissen darstellenkönnen. Der Leser, der den Unterschied zwischen jenen Werken derPhantasie und dem vorliegenden nicht selber herausfindet, ist für michohnehin verloren; ihm bliebe ich der „unpraktische Schwärmer", auchwenn ich mich noch so trockener Systematik befleißigte, denn ihm genügt,daß ich an eine Änderung des Bestehenden glaube, um mich dafür zuhalten. In welcher Gestalt ich meine Beweise vorbringe, ist für dieseArt Leser schon aus dem Grunde einerlei, weil sie — gleich denFrommen in Sachen der Religion — schlechterdings außer stände sind,Beweise zu prüfen, die ihre Spitze gegen das Bestehende kehren.

Den unbefangenen Leser dagegen wird die erzählende Form nichthindern, nüchternen Sinnes zu untersuchen, ob meine Ausführungeninnerlich wahr oder falsch sind. Sollte auch er finden, daß ich — undsei es nur in einem wesentlichen Punkte — von irrigen Voraussetzungenausgegangen, daß die von mir dargestellte Ordnung der Freiheit undGerechtigkeit irgendwie den natürlichen und allgemein anerkannten Trieb-federn menschlicher Handlungsweise widerspreche, ja sollte er, nachdemer mein Buch gelesen, nicht zu der unumstößlichen Überzeugung gelangtsein, daß die Durchführung dieser neuen Ordnung — von nebensäch-lichen Details natürlich abgesehen — ganz und gar unvermeidlich sei— dann allerdings müßte ich mich damit bescheiden, mit Morus, Fourier,Cabet und wie sie alle heißen mögen, die auf sozialem Gebiete ihreWünsche der nüchternen Wirklichkeit unterschoben, in einen Topf a--worfen zu werden.

Ausdrücklich hervorheben will ich zum Schlüsse nochmals, ^die innere Wahrhaftigkeit meines Buches nicht bloß auf die der Harw^..^zugrunde gelegten wirtschaftlichen und ethischen Prinzipien und Motive,sondern auch auf den äußeren Schauplatz derselben erstreckt. Die Hoch-lande im äquatorialen Afrika entsprechen durchaus den im Vorstehendenentworfenen Bilde. Wer dies bezweifelt, der kontrolliere meine Erzählungdurch die Reiseberichte Speekes, Grants, Livingstones, Bakers, Stanleys,Emin Paschas, Thomsons, Johnstons, Fischers, kurz all Derer, welchejene paradiesischen Gegenden besucht haben. Um „Freiland", so wieich es darstelle, zur Thatsache werden zu lassen, bedarf es also in jederHinsicht bloß einer genügenden Anzahl thatkräftiger Menschen. Werdensich solche finden? Wird diesen Blättern die Kraft innewohnen, mirdie Genossen und Helfer zuzuführen, die zur Durchführung des großenWerkes erforderlich sind?

Wien 1890.

Theodor Hertzka.