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es abermals, wie vor neunzehn Jahrhunderten, gewagt, auf offenemMarkte und in zündender, nicht mißzuverstehender, lebendiger Rede zupredigen, was ihr blödes Auge und ihr durch Jahrtausende alten Selbst-betrug verwirrter Sinn in den Schriften seiner Jünger wohl las, abernicht begriff.
Und das Entscheidende dabei ist, daß die Menschheit in der Epocheder Ausbeutung anders gar nicht fühlen und denken, geschweige dennhandeln konnte. Sie mußte auf der Ausbeutung beharren, solange dieseeine Kulturnotwendigkeit war, sie konnte daher keine Menschenliebeempfinden und üben, denn diese verträgt sich mit Ausbeutung so wenig,als Widerwille vor dem Totschlag mit Kannibalismus. Gleichwie in derersten barbarischen Menschheitsepoche schon das, was die Ausbeutung„Humanität" nennt, ein Nachteil im Daseinskämpfe gewesen wäre, sohätte späterhin das, was wir Humanität nennen, die wahre Menschenliebe,jede davon befallene Nation in Nachteil versetzt. Fressen oder gefressenwerden — das war die Alternative in der Epoche des Kannibalismus;unterdrücken oder unterdrückt werden, in der Epoche der Ausbeutung.
Nun hat sich ein neuer Wandel in der Form und Ergiebigkeit derArbeit vollzogen; die socialen Einrichtungen sowohl, als die moralischenEmpfindungen der Menschheit können davon nicht unberührt bleiben.Aber — und damit bin ich zum letzten entscheidenden Punkte gekommen— es sind dabei allerdings mehrere Formen der Entwickelung denkbar.Die erste ist diejenige, mit welcher wir uns bisher ausschließlich be-schäftigt haben: die socialen Einrichtungen unterziehen sich dem durchdie neue Arbeitsform bedingten Wandel, und entsprechend der damit be-wirkten Änderung des Daseinskampfes vollzieht sich auch der Umschwungin den moralischen Gefühlen; friedlicher Wettbewerb, vollkommene Jnter-effensolidarität löst die wechselseitige Ausbeutung, Menschenliebe dieMenschennutzung ab.
Wollen wir nun den letzten Zweifel über die bedingungslose Not-wendigkeit dieses Entwickelungsganges ein für allemal beseitigen, so setzenwir den Fall, daß es anders käme: die Anpassung der socialen Ein-richtungen an die geänderte Arbeitsform vollziehe sich nicht.
Wir haben gesehen, daß die Ausbeutung den früher aus Vernichtungdes Konkurrenten abzielenden Kampf in einen auf Unterjochung des-selben gerichteten umgewandelt hat; nun denn, mit dem Momente, wodie Ergiebigkeit der Arbeit so groß wird, daß der — durch die Aus-beutung darniedergehaltene — Konsum ihr nicht mehr zu folgen vermag,wird abermals die Verdrängung, die — wenn auch nicht physische, so dochwirtschaftliche — Vernichtung des Konkurrenten zu einer Voraussetzung deseigenen Gedeihens, der Daseinskampf muß die Formen der Unter-jochung und Vernichtung zugleich annehmen. Wenig nützt nun-mehr auf wirtschaftlichem Gebiete die noch so schonungslose Herrschaft über