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Freiland : ein soziales Zukunftsbild
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benachbarte Kindergarten, später das Pädagogium zur Hand, wo guterRat jederzeit geholt werden kann. Als Thatsache wurde mir mitgeteilt,daß jedes in Freiland ausgewachsene sechsjährige Kind des Lesens, Kopf-rechnens und einer ganz artigen Summe nützlichen Wissens mächtig sei,ohne ein anderes als ein Bilderbuch gesehen zu haben.

Nach dem Kindergarten kam die Elementarschule an die Reihe.Auch diese Schulen sind möglichst gleichförmig über Edenthal zerstreutund liegen gleicherweise in größeren Gärten. Sie sind vierklassig, undder Unterricht wird Mädchen und Knaben gemeinsam erteilt. DasLehramt liegt durchweg in Händen junger Mädchen und Frauen; nurTurnen und Schwimmen der Knaben leiten männliche Lehrer. Diebeiden letzteren Übungen beanspruchen bei Knaben und Mädchentäglich je eine Stunde; mindestens dreimal wöchentlich werden unterLeitung je einer Lehrerin von jeder Klasse mehrstündige Ausflüge indie benachbarten Wälder und Berge unternommen, bei denen allerleiAnschauungsunterricht getrieben wird. Ich beobachtete die Zöglingebeim Buche und am Turnplatz, in der Schwimmschule und auf denBergen und hatte dabei Gelegenheit, mich zu überzeugen, daß dieKinder mindestens so viel und so geregeltes Wissen besaßen, alseuropäische Altersgenossen, dabei sich auf Reck und Barren, Kletter-stange und Hangseil bewegten wie die Eichhörnchen, im Wasser schwam-men wie die Fische, und nach dreistündigem Marsche über Berg undThal so munter umherspraugen wie die Rehe.

Hierauf besuchten wir die Mittelschulen, in denen Knaben undMädchen gesondert vom 10. bis 15. Jahre unterrichtet werden, ersteredurch männliche, letztere teilweise durch weibliche Lehrkräfte. Hier istden Leibesübungen mannigfaltigster Art noch weit größere Beachtunggeschenkt, und um den hierfür erforderlichen Raum zu gewinnen,befinden sich diese Schulen im Umkreise der Stadt, in der Nachbar-schaft der diese umgebenden Wälder. Ich hatte Gelegenheit, dieAusdauer, Kraft und Grazie der Knaben und Mädchen im TurnenLaufen, Springen, Tanzen und Reiten zu bewundern, die ersterenüberdies bei ihren Ring-, Fecht- und Schießübungen zu sehen. EinigeGänge auf Stoßdegen und Säbel mit verschiedenen der jungen Leutebelehrten mich zu meinem Erstaunen, daß dieselben mir nicht bloßebenbürtig, sondern in manchen Punkten überlegen seien, obwol Dirbekannt ist, daß ich zu den besseren Fechtern unseres in dieser Kunstso vielgepriesenen Italien gehöre. Die beim Ringen und Turnenhervortretende Muskulatur der halbwüchsigen Recken erregte in nichtminderem Grade meine Bewunderung, als die spielende Leichtigkeit,mit welcher dieselben ein Pferd im vollen Galopp einholten und sichauf dessen Rücken schwangen. Besonders überrascht aber war ich vonder Sicherheit, mit welcher die Knaben ihre Schußwaffen handhabten.