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große Oper, wo an diesem Tage das Werk eines freiländischen Kom-ponisten gegeben wurde. Dasselbe war uns nicht neu, da es einesjener zahlreichen freiländischen Tonwerke ist, die auch im Auslandegroßen Anklang finden und häufig aufgeführt werden. Dagegen über-raschte uns die eigenartige — allen freiländischen Theatern gemeinsame— Anordnung des Zuschauerraums. Die Sitzreihen bauen sich amphi-theatralisch bis zu bedeutender Höhe auf; das Dach ruht auf Säulen,durch welche die äußere Luft frei hereinstreichen kann. Bis zu 10000Personen finden solcherart in den größeren dieser Theater bequem Platz,ohne daß jemals Hitze oder verdorbene Luft sich in denselben ansam-meln könnte.
Die Darstellung war eine vorzügliche, die Ausstattung in jederBeziehung glänzend; trotzdem waren die Preise der — durch keinerleiRangordnung unterschiedenen — Plätze nach abendländischen Begriffenlächerlich mäßig. Der Sitz kostete einen halben Schilling — doch wohl-verstanden bloß hier, in der großen Oper; die anderen Theater sindalle noch wesentlich wohlfeiler. Unternehmer sind überall die städtischenKommunen, die ausübenden Künstler sowohl als das Regiepersonalderen Angestellte; als ökonomischer Grundsatz gilt dabei allgemein, daßdie Kosten des Baues und Unterhalts der Gebäude vom Kommunal-säckel zu tragen seien, und daß die Eintrittspreise bloß die Gehalteund Tantiemen des eingestellten Personals und die Ausstattung zudecken haben.
Von David erfuhr ich, daß Edenthal außer der großen Oper nocheine Spieloper und vier Schauspielhäuser besitze, ferner drei Konzert-häuser, in denen allabendlich Orchester-, Kammermusik und Chöre sichhören ließen. Als frciländische Specialität aber nannte er mir fünfverschiedene „Lehrtheater", in denen astronomische, archäologische, geo-logische, paläontologische, physikalische, geschichtliche, geographische, natur-geschichtliche, kurz alle erdenklichen wissenschaftlichen Vorträge mit demumfassendsten Aufwands plastischer Darstellungskunst den Hörern vor-geführt werden. Die Vorträge sind von den geistreichsten Gelehrtenverfaßt, von den gewandtesten Rednern vorgetragen, von den tüchtigstenIngenieuren und Dekorateuren in Scene gesetzt. Diese Art Theaterseien die besuchtesten; in der Regel genügen die vorhandenen Plätzenicht, so daß die Kommune kürzlich zwei neue derartige Darstellungs-Häuser bauen ließ, die binnen wenigen Monaten eröffnet werden dürften.Die Großartigkeit dieser Vorführungen, die ich an den nächsten Abendenkennen lernte, ist in der That staunenerregend und wenn auch die Jugendbei den meisten derselben den größeren Teil des Auditoriums stellt,so werden dieselben doch von Erwachsenen nicht minder fleißig besucht.
Nach dem Theater mieteten Neys am Ufer eine der zahllosen dortvon einer Association bereit gehaltenen Gondeln mit elektrischer Trieb-