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Der Optische-Maassstab oder die Theorie und Praxis des ästhetischen Sehens in den bildenden Künsten : auf Grund der Lehre der physiologischen Optik für Architekten, Maler, Bildhauer, Musterzeichner, Modelleure, Stukkateure, Möbelfabrikanten, Landschaftsgärtner und Kunstfreunde ; mit 63 Holzschnitten und 4 lithographischen Tafeln
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Winkel-Maass der Thür- und Fenstergesimse.

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Im zweiten Falle wird es sehr häufig Vorkommen, dass die Höhederartiger Gurtgesimse die Höhe der Hängeplatte am Hauptgesimsbeiweitem übertrifft. Bei dieser grossen Höhe ist selbstverständlich

der Vorsprung eines solchen Gurtgesimses so gering zu wählen,dass dasselbe in der Ausladung dem Hauptgesimse gegenüber umsoentschiedener zurücktritt.

Kapitel 25.

Für die verticalen Glieder an Thür- und Fenstergesimsenhaben wir eine gemeinsame statistisch-ästhetische Tabelle Nr. Xdem Anhänge beigefügt. Die Tabelle ist ähnlich den TabellenAnhang Nr. V und VI eingetheilt, nur ist eine neue Vertical-Colonne, welche das Verhältnis der Ausladung des Gurtgesimseszur Ausladung des Hauptgesimses ausdrückt, eingeschoben. Dieherangezogenen statistischen Beispiele sind sparsamer, indem ausserden bekannten, interessanten antiken Thüren und Fenstern nurnoch die genauen Maassangaben, welche im Letarouilly über der-gleichen Gliederungen bestehen, benutzt sind. Schon diese ver-hältnismässig wenigen Beispiele lassen jedoch eine hinreichendsichere Richtschnur gewinnen. Die erste Vertical-Colonne über dasVerhältniss der Ausladung brauchte bei den vorliegenden, wenigenantiken Beispielen nicht ausgefüllt zu werden, da bei der verdeck-ten Lage der Thüren und Fenster unter den Portiken ein Vergleichder Ausladung zwischen Haupt- und zwischen Nebengesimsen ohnepraktische Bedeutung ist. Die weiter unten eingeschriebenen Ver-hältnisszahlen dieser ersten Vertical-Colonne sind für die Praxisbei ihrer grossen statistischen Uebereinstimmung von grossemWerth. Sie lassen erkennen, dass, wenn eine Fagade, wie es über-all wünsclienswerth ist, unter einem kräftigen Hauptgesimse einekräftige Reliefausbildung seiner übrigen Profile erhalten soll, derArchitekt vor allen den dominirenden Hängeplatten'der Hauptfenstermöglichst, (wenn es irgend die Construction erlaubt) einen Vor-sprung geben soll, welcher gleich dem dritten Theile des Vorsprungsdes Hauptgesimses ist. Dieses Maass des Vorsprungs darf nochüberschritten werden bei Hängeplatten, welche über vor der Faga-denlinie stehenden Drei viertel- oder Voll-Säulen angebracht sind,oder welche über kräftigen Portal-Ordnungen liegen. Hier kann dieVerhältnisszahl 1:2 ja bis 2 : 3 in den Ausladungen beider Hänge-platten eintreten. Die untergeordneteren Fenster, also z. B. dieFenster oberster Geschosse, werden sich mit einer Ausladung, diezu der Hauptgesimsausladung im Verhältniss 1 : 4 steht, zu be-gnügen haben, sollten jedoch auch nicht weniger vorspringend an-geordnet werden.

Die zweite und dritte Vertical-Colonne zeigen dem Leser zu-nächst, wie die Antike durchschnittlich eine weniger hohe undweniger starke d. h. eine leichtere Ausbildung der Fenster- undThürgesimse als die moderne Architektur hatte. Wir werden beiunseren klimatischen Verhältnissen den zierlichen antiken Maassenmeistens nicht beitreten können, wenn wir auch auf der anderenSeite davor warnen, in die hierher gehörenden Ueberwucherungendes Zopfstyles zu verfallen. Sollen wir auch hier Grenzen vonVerhältnisszahlen angeben, so würden wir für die zweite Vertical-Colonne (Gesimshöhe) in Vorschlag bringen:

a. bei eintheiligen Gesimsen 1:13 bis 15

b. bei zweitheiligen „ 1:11 bis 13

c. bei dreitheiligen „ 1:10 bis 12.

Für die dritte Vertical-Colonne, also für das Verhältniss der Aus-ladung des Gesimses zur Höhe der Ordnung möchte 1:12 bis 1:14einen allgemeinen Anhalt geben. — Die beiden letzten Vertical-Colonnen derselben Tabelle geben die wirklichen Höhen von Hänge-platten und von deren stützenden Blattstäben in Winkelminutenausgedrückt. Wenn hier die antiken Bauwerke grosse Zahlen auf-weisen, so muss man an die theilweise riesigen, theilweise hoch-monumentalen Verhältnisse dieser Kunstwerke, besonders an diemeist noch verhältnissmässig grössere Höhe der Hängeplatten imzugehörigen Hauptgesimse denken. Wo ähnliche gigantische Ver-hältnisse in der modernen Zeit obwalten, z. B. Tabelle X Nr. 7beim Pal. Farnese zu Rom, oder Nr. 5 bei der Erdgeschossfacadedes Pal. Capranica ebendaselbst, haben wir auch grosse Höhen-maasse besonders der Hängeplatte zu verzeichnen gehabt. Bei dergewöhnlichen Palazzo-Architektur möchten sich folgende Höhenempfehlen:

1) Hängeplatten

a. einzeiliger Gesimse = 5 bis 7 Winkelminuten

b. zwdtheiliger „ = 4 bis 6 „

2) Stütz. Blattstäbe = 3 bis 5 „

Bei Anwendung der verticalen Hauptglieder an Fenster- undThürkrönüngen muss der Architekt sich berechnen, zumal wennsein Gebäude freier liegt, wie weit die klare optische Wirkungdieser einfachen Glieder geht. (Zur Ersparung etwaiger trigono-metrischer Rechnungen kann hier die Tabelle S. 4 und zwar dieVertical-Colonne (c) benutzt werden, um die Weite der jedesmaligenoptischen Wirkung der Hängeplattenhöhe festzustellen.) Der Archi-tekt hat dann wohlweislich zu überlegen, ob ihm zur plastischenGestaltung seiner Fagade diese Wirkung in jedem einzelnen Fallegenügend ist, oder ob es zur Vermeidung von monotoner Flach-heit nicht nothwendig wird, in der Fagade anderweitige, für diegrössere Entfernung wirksamere Gruppirungen von plastischen For-men vorzunehmen. (Risalite, Kröpfen der Gesimse im Zopfstyl etc.)

Auf die gewöhnliche Pilasterarchitektur d. h. auf das dorischePilasterkapitäl lassen sich die obigen Verhältnisse nicht direktübertragen, die Hängeplatten würden zu schwer erscheinen. Essei darauf aufmerksam gemacht, dass es wesentlich zur harmoni-schen Leichtigkeit solches Kapitals beiträgt, wenn man an dem-selben die Hängeplatte nie höher macht als den darunterliegendenstützenden Blattstab. —

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