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Verschiedene Eindrücke der Bauwerke für verschieden weite Augendistanzen.
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platz tretend erscheint die Oberkante des Hauptgesimses der Hof-kirche unter ganz demselben günstigen Augenaufschlagswinkel. —Das Museum Johanneum hat mit seinen höchsten Spitzen vomgegenüberliegenden Trottoire aus einen Augenaufschlagswinkel von29°, von dem Standpunkte vor dem den Platz markirenden Brun-nen aus 45°.
Schliesslich führen wir noch aus Italien folgende wenigeBeispiele an, die nicht mit dem Winkelinstrument, sondern nachden publicirten Maassen ermittelt sind:
Die Parade des Pal. Farnese zu Rom ist 29,70 Meter hoch.Der Platz vor demselben hat eine Breite von 53,00 Meter, nähertsich also stark unserem Normal-Verhältnisse der Augendistanz.Dieser günstigen Distanz ist gewiss viel von der so glücklichenWirkung der Fagade zuzuschreiben.
Die Bibliothek des Sansovino zu Venedig ist bis zur Spitzeder auf den Ecken seines Hauptgesimses stehenden Obelisken 22,40Meter hoch. Der Platz zwischen ihr und dem Dogenpalast istnach Wiebekings Situationsplan ca. 45,00 Meter breit. — Jederkunstsinnige Reisende kennt die ausserordentlich wohlthätige Ge-
sammtwirkung dieser Fagade. Es erscheint fast, als ob Sausovinodie Ecken seines Hauptgesimses durch auffallend schlanke, hoch-strebende Obelisken mit der Absicht emporgeführt habe, um unserNormal-Verhältniss, welches seinem geübten Auge taktvoll vor-schwebte, zu erreichen. Seine Fagadenhöhe ohne diese Spitzen magihm selbst in ihrem Gesammteindruck der Weite des Platzes gegen-über zu gedrückt vorgekommen sein. Wir werden diese und ähn-liche Mittel, den Gesammteindruck von verhältnissmässig niedrigenFagaden günstiger zu stimmen, unten weiter besprechen.
Durch die angeführten Beispiele zutreffender und nichtzutref-fender Normal-Augendistanzen ist den Fachgenossen reicher Stoffzu neuen Prüfungen und Beobachtungen gegeben.
Der Verfasser bedient sich bei dergleichen Winkelmessungen desausserordentlich praktischen „Schmalkalder’schen Höhenmessers“.Derselbe lässt sich jedoch auch durch eine runde, vertikal gehal-tene, um ihre Achse (Stift) leicht bewegliche Pappscheibe, aufwelcher die Winkel 27° und 45° durch Stecknadeln markirt sind,und welche sich durch ein angehängtes Gewichtchen immer ver-tikal einstellt, ersetzen.
Kapitel 14.
Unsere Untersuchungen führten uns zu dem Schlüsse: Sollein monumentales Bauwerk den vor demselben befindlichen Platzbeherrschen, d. h. das Sehfeld des denselben betretenden Beschauersgänzlich ausfüllen, so darf dieser Platz in offner Aussicht sichvor solchem Monumente nicht weiter wie zweimal die Höhe des-selben (Augenaufschlagswinkel von 27°) genommen erstrecken.
Weiter ergibt sich, wie bei den Werken der Bildhauerkunst,aus den Untersuchungen der vorigen Kapitel der zweite Schluss:Soll ein Gebäude mit seiner malerischen Umgebung zu einemharmonischen Bilde zusammentreten, so darf der Platz vor dem-selben, will man das Bauwerk in dem Bilde noch angemessen,d. h. ohne die Harmonie zu stören, dominiren lassen, nur in einer
Weite gleich dreimal der Höhe des Bauwerks (Augenaufschlags-winkel von 18°—20°) genommen übersichtlich sein.
Die Regel, welche dem ersten Schlüsse entspricht, wird seineAnwendung hauptsächlich in geschlossen gebauten Städten, dieRegel des zweiten Schlusses vorherrschend bei ländlichem Wohn-stätten finden.
Sprechen wir zuerst von den Plätzen vor Gebäuden geschlos-sen erbauter Städte:
Im Allgemeinen wird der Architekt bei nicht reichlichst zu-
gemessenen Geldmitteln es nicht als ein besonderes Glück zu be-trachten haben, an weiten Plätzen sein Bauwerk zu errichten.Schon bei einem sich für den Beschauer ergebenden Augenauf-schlagswinkel von 18° hat er, wie an die kunstgerechte Durch-arbeitung seiner Fagade bis zum Dachforst, so auch an die male-rische Ausbildung des das Bauwerk umgebenden Platzes selbst zudenken. Beides wird nach oben immer ein gemeinsames Bild ab-geben. — Je niedriger der Augenaufschlagswinkel ist, je schwierigerwird die Aufgabe. Einmal wird dann daran gedacht werden müs-
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