Die Rangordnung.
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sichtswinkel gezeichnet sind, als es der Entfernung entspricht, inwelcher sie gesehen werden sollen. Es wäre aber nicht richtig, wennman es ausdehnen wollte aus Figuren in der Größe, wie sie unseremodernen Illustrationen, oder etwa Photographieen in Cabinets-sormat zeigen; denn diese, bestimmt in Lese weite gesehen zu werden,zeigen die Figuren unter nicht wesentlich kleinerem Gesichtswinkel, alswir Menschengrnppen gewöhnlich zu betrachten pflegen, und nehmendaher jene wiederherstellende Thätigkeit der Einbildungskraft nicht inAnspruch.
Die von Lessing daran geknüpfte Behauptung, daß die Malerei inFolge der nothwendigen Verjüngung der Dimensionen nicht im Stande seidas Erhabene auszudrücken, daß zum Beispiel das Gemälde schrofferAbhänge weniger im Stande sei Schwindel zu erregen, als die Schil-derung des Dichters (Xinss Xoar, Lot. IV, so. 5), dürfte schwerlichans Billigung stoßen; aber er dürfte sie auch schwerlich angesichtsder modernen Landschaftsmalerei sestzuhalten geneigt sein.
Die andern Puncte (VIII: „Nothwendigkeit alle schönen Künsteeinzuschränken und ihnen nicht alle möglichen Erweiterungen und Ver-besserungen zu versteckten. Weil durch diese Erweiterungen sie vonihren: Zwecke abgelenkt werden und ihren Eindruck verlieren," undIX: „von der Erweiterung der Malerei in neueren Zeiten. Wodurchdie Kunst unendlich schwer geworden; und es sehr wahrscheinlich wird,daß alle unsere Künstler mittelmäßig bleiben müssen. Einfluß, denFehler in Nebentheilen, z. E. in Licht und Schatten und Perspectiv,auf das Ganze haben. Da uns hingegen die gänzliche Weglassungaller dieser Theile nicht anstößig sein würde" (vergl. 7, 29. 30)) habenwir schon oben (XXVII, S. 105. 106. 111) erwähnt; im klebrigen ent-ziehen sich dieselben durch ihre Unbestimmtheit und Allgemeinheit jederernstlichen Besprechung. Es sind eben Einfälle, entstanden aus derLectüre eines Buches — wie ich schon oben (X, S. 37) bemerkt habe— welche Lessing, wenn er sie in die Fortsetzung seines Laokoon auf-zunehmen beabsichtigte — wofür wir aber keinerlei Beweise haben —,ohne Zweifel von der ihnen anhaftenden Subjectivität und Paradoxiebefreit haben würde; was sie aber dann für eine Gestalt angenommenhaben würden, das zu ermessen fehlt uns jeglicher Anhalt. So aber,wie sie uns vorliegen, aus ihnen Schlüsse zu ziehen, vermag nur dieleichtfertigste Oberflächlichkeit — von der ich ja Proben angeführt habe.
Fischer, Laokoon. 13