Die Berechtigung der Allegorie.
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so grandioser Erfolge, die triumphartige Anerkennung der Hauptstadtin ihrer neuen Würde als Kaiserstadt" zur Anschauung brachte(Julius Lessiug „die Concurreuz-Entwürfe für die Treppenhalle desBerliner Rathhauses", im Feuilleton der Nationalzeituug vom 14. Ja-nuar 1886); sondern daß man einem von Allegorie strotzenden Entwurfden Vorzug giebt, aus welchem „in einer Art von Tempel der Geniuserscheint, der mit dem Schwert die Gesetze schafft", Bismarck die neuedreifarbige Fahne entfaltet, ein Genius „einen Opferaltar entzündet",und unter den ausziehenden Kriegerscharen die Gestalt des Todesreitet (ebd.)?
Eine erschöpfende Antwort auf diese Fragen zu geben, kann nichtmeine Absicht sein; eine solche würde uns zu weit, und zum Theil inganz fernliegende Gebiete führen. Aber für unfern Zweck dürfteneinige Andeutungen genügen. Was zunächst die Künstler selbst be-trifft, so empfiehlt sich ihnen die Allegorie durch mancherlei Eigen-schaften. Einmal gestattet sie ihnen, schöne Gestalten in schönen oderleidenschaftlich bewegten Stellungen zu bildeu, und das ist ja auchdie Seite, von der aus Lessing der Historien- und Genremalerei seinerZeit gegenüber sie billigt: „insofern die Kunst dadurch auf den Ge-schmack der Schönheit zurückgesühret und von dem wilden Ausdruckeabgehalten werden kann" (3, dr. Abschn. IV). Sie gestattet ferner,von diesen Gestalten so viele zu vereinigen, und sie so groß zu bildeu,wie es dem Maler nur irgend beliebt. Wie oft macht man es demMaler realer Stoffe zum Vorwurf, daß seine Personen nicht hinlänglichmotivirt sind, daß sie bloß dastehen, um gesehen zu werden; beimallegorischen Bilde kann ihn Niemand controlliren, er allein ist Richterdarüber, wie viel Gefolge seine Personen brauchen, und Niemand darfihm vorschreiben, was er in sein Bild „Hineingeheimnissen" soll. Aneinem Bilde wie Girons „Schwestern" tadelt man das große For-mat, das zur Bedeutung des Gegenstandes in keinem Verhältnißstehe: auch vor diesem Tadel ist der Allegoriker sicher, denn welchesFormat entspräche besser dem übermenschlichen Charakter seiner Ge-stalten, als eben das Größte? Und endlich: wie viel leichter ist es,Symbole und Embleme zu malen, als durch Ausdruck zu charak-terisiren. Wie viel leichter ist es, Wolken und Sonnen und schim-mernde Mädchengebilde zu malen, als etwa die schlichte Hoheit derGestalt Friedrichs des Großen.