Die Bewegung.
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Schweife unwillkürlich immer den Anfangsmoment einer andernBewegung erblickt. Oder wenn wir hinter einer Hecke oder einemSchlagbanm einen Pferdebauch seiner ganzen Länge nach aufgerichteterblicken und darüber Vorderbeine und Kopf in wunderlichster Ver-kürzung — jede Kunstausstellung bietet hierzu Beläge —: so mag derMoment des Sprunges noch so getreu nachgeahmt sein; derjenige, welchernicht, wie der Maler, Specialstudien über springende Pferde gemachthat, wird ihn ganz sicher nicht als Bewegung, als Sprung auffassen.
Soll nun aber eine solche Bewegung, deren Vorstellunguns bekannt und geläufig ist, aus dem dargestellten Mo-mente erkannt werden, so muß dieser Moment zweitens den Gegen-stand deutlich erkennbar als das, was er ist, au einer be-stimmten Stelle zeigen. Darum ist der Flug eines Balles malbar,der einer Flinteukugel nicht; wohl aber der Blitz, weil wir den-selben gar nicht als das auffassen, was er ist, der Weg eines leuch-tenden Punctes, sondern als leuchtende Linie.
Dieser deutlich erkennbare Gegenstand muß dann drittens auch alsunzweifelhaft in Bewegung befindlich erkannt werden. Sobalddie Bewegung durch weiter nichts angedeutet wird, als durch eine Stel-lung, die auch als Ruhestellung aufgesaßt werden kann: so begnügt sichder Beschauer mit dem, was er sieht, und seine Einbildungskraft wirdnicht angeregt, die Stellung in Bewegung umzusetzeu. Ein Knabe, derseine Arme betend emporhebt, wird bei dieser Bewegung an einem Mo-ment anlangen, der ihn genau in der Stellung des Adoranten zeigt;wem fiele es darum ein, diesen aufzufassen als in einer Bewegung aberbegriffen und nicht vielmehr in der Ruhestellung des mit auf-gehobnen Armen Betenden? Wem, außer etwa Bischer, fiele esein, beim belvederischen Apollo die Stellung des Arms, der denFeinden die Aegis entgegenhält, als Bewegung auffassen zu wollen?Ich bekenne sogar, daß ich ihn nicht einmal mit Henke „im schnellstenSchritt" zu erblicken vermag. Das mag ja denn aber auf die Stärke,oder vielmehr auf die leichte Bestimmbarkeit der Phantasie ankommen.Die meisten Beschauer fassen sicherlich in sehr vielen Fällen, wo derMaler Bewegung zu malen beabsichtigt hat, dieselbe als Ruhe auf,sie sehen in dem fliegenden Vogel oder Engel einen schwebenden, indem schwimmenden Schwan einen ruhenden, ja sie tadeln (anBöcklins Gefilden der Seligen) die Halsstellung des Schwans, die
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