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Lessings Laokoon und die Gesetze der bildenden Kunst
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Die Bewegung.

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ihn fest. Der Maler kann einen Fischotter malen, der ins Wassertaucht; aber er kann damit nicht darstellen, daß derselbe an einerandern Stelle wieder anftauchen wird. Wollte er es durch Jäger,die aus diese andere Stelle zielen, anzudeuten versuchen, so würde erlediglich damit erreichen, daß der Beschauer glaubte, sie harrten auseinen zweiten Fischotter. Der Maler kann einen Pudel malen, odereinen Elephanten, der den ganzen Raum hinter dem Ofen ansüllt,oder einen Nebel; aber nicht den Pudel, der zum Nilpferd, zum Ele-phanten anschwillt, in Nebel zerfließen will. Auch der größte Meisterkann uns den Popanz als Löwen zeigen oder als Maus, aber er kannuns nicht bewegen, der Maus anzusehen, daß sie den Augenblick vorherLöwe war. Einen Weinenden, einen Lachenden kann die Kunst dar-stellen, auch einen, der durch Thränen lacht; aber nicht einen, der ab-wechselnd lacht und weint. Sie kann einen Menschen zeigen, dersich das Lachen verbeißt, aber sie kann es einem ernsten Gesicht nichtansehen lassen, daß es im vorigen Augenblick gelächelt hat oder imnächsten lachen wird.

Nun könnte mir aber jemand einwenden:Streng genommenstehen ja in jeder der von dir als nachahmbar bezeichnten Be-wegungen die früheren oder späteren Momente mit dem dargestelltenMoment im Widerspruch, da sie den Gegenstand in anderer Stellungoder Lage zeigen, und somit wäre überhaupt keine Bewegung dar-stellbar." Und ich antworte darauf: Das ist an sich richtig: in derThat ist der Künstler nicht im Stande, die Einbildungskraft des Be-schauers zu zwingen, daß sie den Moment in Bewegung umwandle.Sondern es muß noch etwas hinzukommen. Und das ist es, woraufLessing hinaus will mit seinemwarum nur Menschen und nicht Thieredie Bewegung empfinden." (4, XUV). Das ist der Sinn des Ge-schichtchens vom Zeuxis (13), gleichviel ob dasselbe wahr ist oder nicht.Die Sperlinge sehen in den gemalten Kirschen eben Kirschen undpicken danach; aber sie sehen in dem in Laufstellung gemalten un-beweglichen Knaben keinen lausenden und fürchten sich nicht vor ihm.Freilich wenn Lessing dazusetzt:Thierische Augen sind schwerer zutäuschen als menschliche; sie sehen nichts, als was sie sehen; uns hin-gegen verführet die Einbildungskraft, daß wir auch das zu sehen glauben,was wir nicht sehen," so ist dies nicht ganz richtig. Es ist wesentlichdieselbe Denkoperation, welche die Sperlinge in Stand setzt, in den

Fischer, Laokoon