Tie Bewegung.
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wegungen nachahmen, welche sich in unterscheidbare Mo-mente auslösen lassen. Nicht nachahmen kann sie also gleich-artige, continuirliche Bewegung, dieselbe mag schnell oder lang-sam, gleichmäßig oder beschleunigt sein: das Rollen der Kegelkugel, denGang der Uhrzeiger, das ruhige Fließen des Flusses, das Hinabgleitendes Nachens daraus, das Vorbeigleiten des Eisenbahnzuges, den Zugoder das Jagen der Wolken, den flüchtigen Schatten, den sie auf dieFlur werfen, den Gang der Sonne, den Fall eines Körpers in derLust, die Drehung der Windmühlenflügel. In jeder dieser Be-wegungen gleicht jeder Moment völlig dem vorigen, den er in un-unterbrochener Folge ablöst; es kann also der Künstler gar keinenMoment der Bewegung darstellen, sondern nur den Gegenstand aneinem Puncte der Bewegung sesthalten; hierdurch aber erhält dieEinbildungskraft gar keine Anregung, und sie saßt einen solchen Mo-ment daher überhaupt nicht als Moment der Bewegung auf,sondern als Ruhe. Die Zeiger der Uhr, momentan angeschaut,geben das Bild einer stillstehenden Uhr, ein firirter Moment desWolkenzuges erscheint lediglich als bewölkter Himmel.
Da nun fast alle regelmäßigen Bewegungen in der Naturhierher gehören, so liegt hierin die Rechtfertigung des oben (S. 114)ausgesprochenen Satzes, daß die Landschaftsmalerei aus das ganzeGebiet der Handlungen verzichten muß, weil ihr die Fähigkeitdes transitorischen Ausdrucks so gut wie völlig abgeht.
Nicht nachahmen kann die Kunst zweitens das Augenblick-liche, dasjenige, zu dessen Wesen es gehört, daß es plötzlich ausbricht,nur einen Augenblick währt und plötzlich verschwindet. Hier sindfreilich drei unterscheidbare Momente, aber dieselben sind nur für dieReflexion unterscheidbar, nicht für das Auge.
Nicht nachahmen kann die Kunst also die momentane Be-wegung: Windstoß, Wetterleuchten; Nicken, Kopsschütteln, Blinzeln,Zucken, Auffahren, das Werfen des Blickes, den Zornblitz des Auges;nicht nachahmen kann sie den plötzlichen Uebergang aus einem Zu-stande in einen andern: das Hervorbrechen der Thränen, den Aus-bruch des Lachens, das Ausstößen des Schreis (das Schreien desLaokoon!), das Erröthen oder Erblassen. So oft sie es auch versuchenmag, scheitert sie daran. Und ich fürchte, die Künstler versuchen esrecht oft, wir merken es nur nicht, wir ahnen es nicht einmal: unsere