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Die Eigenschaften des einzigen Augenblicks.
Der einzige Augenblick, den die Kunst nutzen kann, ist nun keinbestimmter. Aus dem vorangehenden Satze, „Jede dieser augenblick-lichen Erscheinungen und Verbindungen ist die Wirkung einer vorher-gehenden und kann die Ursache einer folgenden und sonach gleichsamdas Centrum einer Handlung sein", folgt vielmehr, daß die Kunstjeden Augenblick der Reihe nutzen kann. Damit ist aber nicht ge-sagt, daß auch jeder Augenblick jeder Reihe gleich geeignet ist,„andeutungsweise" die Handlung darzustellen. Vielmehr ist für deneinzelnen Fall die Brauchbarkeit eines Augenblicks an gewisse Eigen-schaften desselben gebunden. Von diesen nennt Lessing hier nur eine:der Maler muß, sagt er, aus der Reihe der Augenblicke „denprägnantesten wählen, aus welchem das Vorhergehende undFolgende am begreiflichsten wird." Wesentlichen Widerspruchhat dieser Satz meines Wissens nicht erfahren; über die Schranken,innerhalb deren die Kunst die Forderung erfüllen kann, haben wir uns(in den Abschnitten XIX und XX) verständigt, so daß wir hierbei nichtzu verweilen brauchen.
Dagegen stellt Lessing schon im dritten Abschnitt (S. 39 u. 40sl65j) zwei andere Forderungen an den zu wählenden Moment: der-selbe könne erstens „nicht fruchtbar genug gewählt werden"; fruchtbaraber sei allein dasjenige, „was der Einbildungskraft freies Spielläßt." Und zweitens dürfe der zu wählende Augenblick „nichts aus-drücken, was sich nicht anders als transitorisch denkenläßt."
Orientiren wir uns zunächst über den Sinn und den Werth, dendiese Säße an ihrer Stelle haben. Es kommt Lessing daraus an, ander Laokoongruppe und der Erzählung des Virgil den Unterschiedzwischen bildender Kunst und Poesie zu zeigen. Dazu kann er nichterst die unbedingte Geltung des Gesetzes der Schönheit Nachweisen; ermuß sich begnügen, die Geltung desselben im Alterthum sestgestelltzu haben; sür diejenigen aber, welche meinen, daß „die Kunst in denneueren Zeiten ungleich weitere Grenzen erhalten" habe, stellt er nun„Betrachtungen" an, aus denen, auch von ihrem Standpuncte aus,hervorgehen soll, „daß der Künstler in dem Ausdruck Maß haltenund ihn nie aus dem höchsten Puncte der Handlung nehmen müsse."
Für uns nun, die wir uns von der Berechtigung der Forderung,daß der Ausdruck der Schönheit untergeordnet sein müsse, überzeugt