Die Erweiterung des Momentes.
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Heilige und Märtyrer um den Stuhl des Lammes; so zeigt unsRafaels Disputa die Theologen, seine Schule von Athen die Denker-aller Zeiten im Dienste der Philosophie: so versammelt Paul Dela-roches Hemicycle die Künstler, Kaulbachs Resormationsbild Ge-lehrte und Entdecker, Geistliche und Fürsten um eineu gemeinsamenidealen Mittelpunct. Und ebenso vermag der Künstler Lebensformen,die verschiedenen Zeitaltern angehören, in einem idealen Zeitpunct zuversammeln. Nur muß er nicht selbst sein Werk zerstören, indem eran Stelle des idealen Zeitpuncts einen historischen setzt. Anfänge undBlüte griechischer Cultur aus einem Bilde zu vereinigen, mag wohlangehen, und über die geschichtsphilosophischen Ideen, von denen erdabei sich leiten läßt, werden wir mit ihm am wenigsten rechten;nur darf der Künstler, der uns den Homer zeigt, wie er seine Gesängedem Perikleischen Athen vorsingt, sich nicht vermessen, aus demselbenBilde diese Blüte des Perikleischen Zeitalters zugleich als die Folgeder Bekanntschaft mit Homer darstellen zu wollen; er mag uns zeigen,wie die olympischen Götter im Gefolge Homers nach Hellas kommen;aber er darf sie dann nicht in das fertige Parthenon einziehen lassen.Und warum sollte er uns nicht Semiten, Hamiten, Japhetiten alsTräger dreier Lebensformen zeigen? wenn er die Entstehung der letzterenaber durch die Sage vom Thurmbau zu Babel erklären will, so darfer uns doch nicht zugleich die drei Völkertypen fertig entwickeltsehen lassen, und den Moment (die Einmischung Jehovahs), vonwelchem die Entwickelung aus geht. Aller Glanz der Darstellung,alle Einzelschönheit kann uns auf die Dauer nicht blind machen gegenden schweren Fehler, an dem diese Kaulbachschen Treppenhausbilderkranken; ja wir werden denselben für kaum weniger schwer erklärenmüssen, als jenen andern, welchen Lessing im Anfänge des achtzehntenAbschnittes als einen „Eingriff des Malers in das Gebiet des Dichters"bezeichnet, „den der gute Geschmack nie billigen wird", den Fehler nämlich„zwei nothwendig entfernte Zeitpuncte in ein und eben dasselbe Gemäldezu bringen, so wie Fr. Mazzuoli den Raub der Sabinischen Jungfrauen,und derselben Aussöhnung ihrer Ehemänner mit ihren Anverwandten;oder wie Tizian die ganze Geschichte des verlorenen Sohnes, seinliederliches Leben und sein Elend und seine Reue" (S. 205 s266s>Lessing hatte gelegentlich eines Ercerptes (aus Richardson, traito sto.,(?, 18 sB. 8, 31s) Gründe zusammengestellt, weßhalb dieser Fehler