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Lessings Laokoon und die Gesetze der bildenden Kunst
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Lessings Begriff des Ideals.

kennen, und wohl gar eine vegetabilische ideale Kunst form, einAkanthusblatt. Nur der unglückliche Lessing wandelte so blöde durchdie Welt, daß er nichts davon gemerkt hat!

Passen Sie mal auf, Herr Justi: Wenn ein Naturforscher ausder Lessingschen Zeit Ihnen zwei Sätze sagte, erstens:Kennzeichender Hunde sind ein Kopf mit langer Schnauze, feste Krallen, u. dgl.,aber nicht eine bestimmte Farbe des Pelzes, ,weil die Natur sichnichts Bestimmtes darin vorgesetzt hat'", und zweitens:zu denHunden gehören der Wolf und der Fuchs, aber nicht das Eichhorn" wollen Sie diese letzte Behauptung vielleicht auch mit der Fragewiderlegen:Hatte die Natur beim Eichhorn keine Vorsätze?"

Ob ich den Inhalt eines Begriffes feststelle, oder seinen Um-fang, ist doch wohl zweierlei, und die Schlüffe, die mich zu demeinen führen, gelten nicht für den andern.

Und doch lag die Sache fo einfach. Nicht die Gründe für dieFeststellung des Inhalts eines Begriffes sind entscheidend für dieBestimmung feines Umfangs, sondern dieser Inhalt selbst. DieSchönheiten der vegetabilischen und leblosen Natur sind keines Idealsfähig, weil sie von den wesentlichen Bestandtheilen des Schönheits-ideals nur den einen, die Form, besitzen, aber der anderen, derCarnation und des Ausdrucks, ermangeln. Freilich geht aus LessingsWorten nicht deutlich hervor, daß er Carnation und Ausdruck in derThat als weseu.tliche Bestandtheile ansah. Ja in Betreff der Car-uation werden wir das Gegentheil behaupten können. Wie sollteLessing, der doch von bemalten Statuen nichts wußte, dazu gekommensein, die Carnation für nothwendig zu halten zur Erreichung derhöchsten Schönheit? Aber mau vergesse nur nicht, daß wir es hierbloß mit einer vorläufigen Disposition zu thun haben. Ich habeschon oben (S. 33) darauf hingewiesen, daß Lessing bei der Ausführungzweifellos die ungenaue Ausdrucksweise, welche aus dem Zusammeu-sassen derbildenden Künste" hervorgeht, geändert haben würde;und so würde er auch zu der Unterscheidung des plastischen unddes malerischen Ideals und zur Verweisung der Carnation an dasletztere gelangt sein. Daß er aber dasIdeal des Ausdrucks"keineswegs als etwas so Nebensächliches betrachtete, wie man ausdieser Stelle schließen könnte, das ergiebt sich deutlich aus dem Bei-spiel, welches er an der vorhin angeführten Stelle des Laokoon über