Beschränkung des Gebietes durch die Rücksicht uns die Wirkung. 85
Rochegrosses Gemälden Gefallen finden —, und daß diese Damennicht bloß in Paris zu finden sind, daß auch ein Theil der deutschensogenannten Gesellschaft es nicht nur jenen gleich thut, sondern dasviel größere Kunststück zu Stande bringt, zugleich auch noch fürRichard Wagner zu schwärmen und den Chor der Antivivisectionisten zuverstärken: — wen könnte das wundern. Und eben so wenig ver-wunderlich ist es, wenn ein Theil der Tagespresse aus der Speculations-reise, auf welche ein Kunsthändler Rochegrosses »la ^aegueris« ge-schickt hat, einen Triumphzug zu machen sucht. Daraus folgt aberfür die künstlerische Berechtigung derartiger Bilder eben so wenig, wieaus dem Vorhandensein von Verbrechern auf ihre Berechtigung, inder bürgerlichen Gesellschaft zu existiren, geschlossen werden darf.
Uebrigens ist das Erscheinen solcher Bilder keineswegs auf Frank-reich beschränkt. Wie hier Nochegrosse durch Görüme — dessen Dar-stellungen aus der römischen Kaiserzeit aber, bei allem Schrecklichenihres Inhalts, sich doch dadurch als Kunstwerke kennzeichnen, daß siedas Gräßliche eben nicht zur Erscheinung bringen, sondern nur ahnenlassen —, so ist durch Piloty — der ja selbst auch von der französischenHistorienmalerei vielfach angeregt ist —, daneben aber wohl auch durchGerüme selbst, Siemiradzki beeinflußt, dessen „Fackeln des Nero"unzweifelhaft zu vernrtheilen sind.Z Wenn man zu seiner Ent-schuldigung, oder gar zu seinem Lobe, hervorgehoben hat, er habedadurch, daß er die lebenden Fackeln ganz auf eine Seite, in dieHöhe und größtentheils in den Hintergrund gerückt, das Gräßlichegemindert: so dürfte ihm dies vielmehr zum Tadel gereichen, indem,so weit die Behauptung berechtigt ist, sie nur beweisen würde, daß erdas, was den Hanptgegenstand seines Gemäldes bilden soll, alsetwas Nebensächliches behandelt habe.
Wir müssen bekennen, daß Gabriel Max, trotz des bedenklichenpathologischen Zuges, der durch seine Schöpfungen geht, trotz jenerNeigung, dem Bündniß Ausdruck zu geben, welches Wollust und
') Das steht durchaus nicht im Widerspruch mit dem, was ich über S's.Streben nach Darstellung des Schönen gesagt habe. Aber freilich ist Siemi-radzki von den Pfaden der „Sensation" zu denen achter Kunst zurückgekehrtund schreitet auf diesen mächtig vor — von den Fackeln zum „Schwertertanz",von diesem zu „Christus bei Martha und Maria" (Jubiläumsausstellung), immereigenartiger und bedeutender sich entwickelnd.