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Lessings Laokoon und die Gesetze der bildenden Kunst
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Vertiefung des Gegenstandes durch den Ausdruck.

Bilde vereinigen; oder er kann es nach innen vertiefen, das heißt, erkann seinen Gegenstand so wählen, daß derselbe nicht bloß durch dieSchönheit der Form oder die Nebenschönheit der Carnation, sondernauch durch seine innere Vollkommenheit, so weit dieselbe am Körperzur Erscheinung kommt, also durch den Ausdruck zu wirken geeignetist. Er kann endlich beides vereinigen, also verschiedene Figuren zueinem Kunstwerk so combiniren, daß dieselben sowohl durch mannig-faltige Formschönheit als durch mannigfaltigen Ausdruck wirken.

Das Erste dürfte im strengsten Sinne nicht leicht der Fall sein,zum mindesten bei Bildern, welche lebende Wesen darstelleu undnur von solchen spreche ich hier, nicht von Landschaften und Dar-stellungen unbelebter Gegenstände. Denn wenn auch die Absicht desMalers lediglich auf die Formschönheit ginge, so erfordert doch schondie Rücksicht ans die Einheit der Komposition, daß zwischen den ver-schiedenen Figuren, welche sie vereinigt, ein Band hergestellt werde,daß sie zusammengehalten werden durch irgend eine Situation, undeine solche muß sich, wenn auch in noch so geringem Maße, in Aus-druck, Gebärden, Stellungen bemerklich machen. Aber es existirt auch nochein anderer Grund, weshalb der Künstler sich mit der bloßen Form-schönheit seiner Figuren nicht leicht begnügen wird. Dieser Grund,welcher übrigens auch für die Darstellung von Einzelfiguren gilt, liegtin der schon oben erwähnten Abhängigkeit des Künstlers vom Pu-blicum. Das Publicum will nicht bloß sich an der Schönheit desGegenstandes, den es sieht, erfreuen; es will auch wissen, was das fürein Gegenstand ist, der ihm gezeigt wird. Freilich, ich wiederhole,der Künstler steht auf dem Gipfel seiner Kunst, der im Stande ist, sovollendete Formschönheit zu bilden, daß dem Beschauer jeder weitereWunsch schwindet, daß sich die Stimmung, welche der Dichter in deinWorte ausdrückt:Was aber schön ist, selig scheint es in ihm selbst,"von dem Kunstwerk auf den Beschauer überträgt. Aber wie vieleKunstwerke sind das im Stande, durch bloße Formschönheit imStande? Wenn man uns die Venus von Milo und den Hermes desPraxiteles nennen will, so wird es schon recht langen Nachdenkens be-dürfen, um ein drittes hinzuznfügen; ganz abgesehen davon, daß auchdie Gültigkeit dieser beiden Beispiele doch im höchsten Grade fraglichist (s. unten XXIV). Aber von der unendlichen Mehrzahl der Kunst-werke verlangt der Beschauer zu wissen,was sie vorstellen." Man