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Lessings Laokoon und die Gesetze der bildenden Kunst
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Formschönheit und Charakteristisches. Der weise Grieche.

das nicht seine Schuld. Er bildete seine Ideale nach dem, was ersah; was kann er dafür, daß die mitteldeutschen Bürgermädchen jenerZeit so schlechte Haltung, so schlechten Gang hatten, daß er in den Frauen-häusern so dürftige, unreife Figürchen fand? Da sind die heutigenMaler freilich besser daran, denen nicht nur durch Sammlungen undNachbildungen stets eine Fülle schöner Vorbilder zu Gebote steht,nicht nur, dafern sie nur ein Fünkchen wirkliches Talent besitzen,Reisestipendien nach Italien gewährt werden, sondern die auch in derHeimath einen schöneren Menschenschlag um sich sehen, wie ihnmannigfache Kreuzungen in Kriegs- und Friedenszeiten, eine freiere,gesundere Lebensweise, der Anblick mannigfaltigerer Schönheit all-mählich gezeitigt haben. Dafür findet aber auch in unserer Zeit einKünstler Beifall, ja begeisterte Nachahmung, welcher, um die evan-gelische Geschichtedem Verständniß der Gegenwart neu vertraut zumachen" (s. den Catalog der National-Gallerie, 3. Ausl. S. 971. s. v.K. F. E. v. Gebhardt), sich seine Modelle von den Tschuden holt,die Apostel als esthnische Bauern darstellt, mit unschönen, starkknochigenGesichtern von asketischem Ansdruck, aber in'einem Kostüm, das zumTheil antik-orientalisch ist, zum Theil den Schnitt der Patricierkleidungdes sechzehnten Jahrhunderts zeigt, und dazu Farben, so bunt, wieauf einem Mummenschanz (besonders aus dem Bilde der HimmelfahrtChristi, 1883. Nationalgallerie.)?) Aber freilich, Gebhardt gehört jazu derjenigen Richtung, welcher, wie ich vorhin gesagt, nicht die Form-schönheit, sondern das Charakteristische als das Wesentliche erscheint.Und wir werden uns nicht länger der Nöthigung entziehen können,zu untersuchen, was es mit jenen beiden Richtungen auf sich hat,und wie Lessing sich zu ihnen verhält.

XIII.

Vertiefung des Gegenstandes durch den Ausdruck.

Die vollste und unmittelbarste Bethätigung fände das LessingscheSchönheitsgesetz an plastischen Einzelfiguren, welche eben Nichtsdarstellten als einen schönen Körper. Aber angenommen, es gebe

h Dagegen zeigt jedoch sein letztes großes Bild, der Brudermord (Jubi-läumsausstellung Nr. 352, Saal 31) einen enormen Fortschritt.