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Lessings Laokoon und die Gesetze der bildenden Kunst
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Die Unfreiheit der Künstler.

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Kostüm, angewendet werden müsse. Wenn ein oberflächlicher Tadler,wie Justi, mit ein paar leichtfertigen FragenWie viele Kunstwerkewürden da übrig bleiben? Welcher Kunstrichter könnte diese Grenz-linie ziehen?" dagegen ankämpft, so ist das begreiflich, braucht auchnicht widerlegt zu werden. Aber Blüinner führt diese Fragen ganzernsthaft, mit der ihm eigenen Gründlichkeit und Sachlichkeit aus.Freilich begegnet ihm dabei, daß er in der Hauptstelle,Alles, woransich zu merkliche Spuren gottesdienstlicher Verabredung zeigen" daszu übersieht. Lessing will ja nicht den Namen Kunstwerk Allem ab-streiten, woran sich Spuren, sondern nur, woran sich zu merklicheSpuren gottesdienstlicher Verabredung zeigen, daß heißt solche, ausdenen eben deutlich hervorgeht, daß der Künstler unter einem äußer-lichen Zwange gearbeitet habe. Blümner versteht sich doch sonst aufLessings Ausdrucksweise; ich begreife nicht, wie er hier die Tempel-bilder des Phidias ansühren konnte, ohne daß, wie Wieland sagt(Jdris IV, 13), Lessing ihn am Ohr gezupft, und wie er sich seinenEinwurf nicht selbst dahin beantwortete, daß nach Lessings zweifellosrichtiger Meinung Phidias eben, so weit er an ein bestimmtesKostüm gebunden war, nicht als freier Künstler arbeitete?)

Bis hierher bin ich mit meiner Arbeit gekommen, als mir einHeft vonNord und Süd" (Juli 1885) mit einem trefflichen Auf-satz von Lübke über Realismus und monumentale Kunst indie Hände fällt. Unter der Fülle von richtigen und feinen Be-merkungen freue ich mich darin den Verfasser mit vielen der von mirentwickelten Gesichtspuncte in völliger, ja an manchen Stellen inwörtlicher Uebereinstimmung zu finden. So möge er mir denn ge-statten, dem Gedanken, welchen ich eben niederschreiben wollte, seineWorte zu leihen.Hier zeigt sich," sagt er (Nord und Süd, Bd. 34,Heft 100, S. 127),daß die bildende Kunst im Wesentlichen das zugestalten hat, was das allgemeine Bewußtsein, was die herrschendenMächte von ihr verlangen. Denn während Poesie und Musik freiaus dem Innern strömen, keinem Zwange unterthan, keinem äußernGebot gehorchend, sind die bildenden Künste meist an die Aufgaben

>) Was Blümner dann noch als offen zu Tage liegenden Widerspruch hin-stellt, ist so wenig einer, daß ich ihm zu nahe zu treten glauben würde, wollte ich,nachdem ich oben den Inhalt der Lessingschen Auseinandersetzung angegeben, dieEinwürfe noch im Einzelnen widerlegen.