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Die Schönheit der Linien in der Malerei.
sofern sie Körpern anhasten, der Nachahmung werth findet: so unter-scheidet sich auch das Gemälde von der Arabeske und Aehnlichemdadurch, daß es nicht schöne Linien und Farben an sich, sondernNachahmungen von Körpern zeigt, welche so zusammengestellt sind,daß sie schöne Linien und Farben bilden. Wir werden vielmehrfolgendermaßen weiter schließen müssen. Der Maler bringt durchdie unmittelbare Nachahmung von Linien und Farben zugleich mitNot h Wendigkeit den Schein der Körper hervor, welchen er jeneabgesehen: daraus ergiebt sich, daß er zwar unmittelbar nur schöneLinien und Farben, dadurch aber, und zwar mit gleicher Noth-wendigkeit, schöne Körper darstellt. Allerdings aber brauchtdiese Schönheit der Körper nicht in der Schönheit der einzelnenFostmen und Stellungen zu bestehen, sondern in der desGesammtgegenstandes, in der Schönheit der Gruppe.
Bedarf es noch der Beispiele? Muß ich Nachweisen, wie diegestimmte niederländische Genremalerei, ihre Stoffe mögen uns nochso unschön erscheinen, durchaus unter dem Einfluß des Gesetzes derSchönheit steht? Wie, von einzelnen Ausnahmen abgesehen, ihreMeister sammt und sonders bemüht sind, durch Gruppirung, Beleuch-tung, Färbung ihre Gegenstände in das Reich der Schönheit zuerheben? Wie dasselbe auch von so manchem andern Künstler gilt,dem man Mangel an Schönheit vorzuwersen pflegt? Nur zweiNamen sei mir hervorzuheben gestattet, weil gerade diese stets invorderster Linie genannt werden unter denen, welche angeblich denAusdruck über die Schönheit stellen. Zuerst Michelangelo.Sein jüngstes Gericht, gerade dasjenige Werk, in welchem er denAusdruck der mannigfaltigsten Leidenschaft in Mienen und Gebärdenaufs Höchste getrieben, ist das glänzendste Beispiel für die Unter-ordnung des Ausdrucks des Einzelnen unter die Schönheit desGanzen: die Schönheit der Gesammtcomposition, — die dochdadurch nicht aufgehoben ist, daß, wie behauptet wird, sich keinGesichtspunkt finden läßt, von dem aus sie übersehen werden kann(vergl. Lessings Urtheil, H. 12, sB. 6. 11f S. 296 und BlümnersAnmerkung dazu, B. 185 s605st — und die Schönheit der Haupt-theile, in welche das Bild sich gliedert.
Der Andere ist Adolf Menzel. Von ihm konnte noch vorfünfundzwanzig Jahren E. Förster (Gesch. d. deutschen Kunst, Bd. V,