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Lessings Laokoon und die Gesetze der bildenden Kunst
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Gültigkeit des Gesetzes der Schönheit für die Sculptur. 35

Menschen des Ansehens werth erscheinen würden, wenn es stattreizender Putten skrophulöse Geschöpfe wären, an denen der Ausdruckder Leidenschaft belustigend wirken soll?

Zu der Schönheit der Formen kommt dann, namentlich beigrößeren, figurenreichen Werken, die Schönheit der Linien, welchedurch Stellung, Gruppirung, Verhältnisse der Figuren hervorgebrachtwird: also die Schönheit des Ausbaues oderj der Komposition.Daß sie gleichfalls die Thätigkeit des Künstlers beherrscht, daß derAusdruck ihr untergeordnet wird, ist wieder so klar, daß es kaumBeispiele anzuführen lohnt. Richten wir unfern Blick auf dieGiebelfelder von Olympia oder aus die Reliefs des PergamenerAltars, aus die Naturalisten des Quattrocento oder auf Adam Krasft,aus die leidenschaftlichsten Courpositionen der modernen Franzosen,Rüdes Gruppe des Kriegs vom ^rs äs l'stoils oder CarpeauxsTanz" von der großen Oper, überall zeigt sich dasselbe Streben;Ausnahmen finden sich hier eben wieder von rohen Anfängen ab-gesehen in der That nur da, wo der Künstler durch äußereSchwierigkeiten, z. B. des Erzgusses, gehemmt war, wie etwa beiDonatellos Judith.

X.

Die Schönheit der Linien in der Malerei.

Wie steht es nun aber mit der Malerei? Nach dem oben Ge-sagten werden wir die Untersuchung über die Gültigkeit des LessingschenSatzes, selbst aus die Gefahr hin, uns mit Lessing in Widerspruch zusetzen, nicht so führen dürfen, daß wir fragen, ob die Künstler ihrerstes Augenmerk auf die Schönheit der Form gerichtet haben. ImGegentheil, der Künstler, welcher dies thäte, handelte nicht nach demvon uns als absolut richtig erkannten Grundsatz, daß die erste Be-stimmung einer Kunst nur dasjenige sein kann, was sie unmittelbarhervorzubringen im Stande ist. Denn das, was die Malerei un-mittelbar hervorbringt, sind, wie gesagt, Linien und Farben.Genau genommen sind es zwei Künste welche sich zum Ge-

mälde vereinigen: die der Zeichnung und die der Farbengebung.

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