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Lessings Laokoon und die Gesetze der bildenden Kunst
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Gültigkeit des Gesetzes der Schönheit für die Sculptur.

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IX.

Gültigkeit des Gesetzes der Schönheit für die Sculptur.

Gut denn; wenn diese Thatsachen so feststehen, so werden sie jawohl eine etwas nähere Betrachtung vertragen. Lessing sagt also:die (körperliche) Schönheit ist das höchste Gesetz der bildenden Kunst.Dem gegenüber wird behauptet, für einen großen Theil der Künstlersei nicht die Schönheit, sondermder Ausdruck, das Charakteristische dashöchste Gesetz.

Zur körperlichen Schönheit nun, deren Hervorbringung die Be-stimmung der bildenden Künste sei, sagt Lessing im Entwurf deszweiten Theils (4, S. 264 sB. H., 5s), gehöre neben der Schönheitder Form auch die Schönheit der Farben und die des Ansdrucks.Wenn er dies ausgesührt hätte, so würde er sicherlich die Ungenauigkeitdieser Erklärung beseitigt haben, welche darin liegt, daß er nichtSchönheit der Formen von Schönheit der Linien unterscheidet.Unmittelbar kann nämlich nur eine der bildenden Künste, nur dieBildhauerkunst, die Schönheit der Linien und der FormenHervorbringen; die Malerei dagegen nur die Schönheit der Linienund der Farben (zu der auch die der Beleuchtung, d. i. der Ver-theilung von Licht und Schatten, gehört); erst mittelbar, durchLinien und Farben, erzeugt die Malerei den Eindruck der Schönheitder Form. Danach wird es gestattet sein, bei der Untersuchung überdie Gültigkeit ckies Gesetzes der Schönheit zu unterscheiden zwischenBildhauerkunst und Malerei. Von derSchönheit des Ausdrucks"übrigens sehen wir vorläufig gänzlich ab, um die Untersuchung nichtzu verwirren.

Was nun zuerst die Sculptur anlangt, so können wir von vornherein behaupten, daß es keine Periode der Kunstgeschichte undkeinen bedeutenden Künstler giebt, in welcher und bei welchem nichtdas Gesetz der Schönheit das herrschende gewesen, nicht die Charak-teristik der Schönheit untergeordnet worden sei. Dies gilt sowohlvon Eiuzelfigureu, wie von größeren Compofitionen. Mag auch derKünstler noch so weit gegangen sein in der Darstellung der Leiden-schaft, mag er auch in einzelnen Th eilen, namentlich in dem

Fischer, Laokoon. z