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Lessings Laokoon und die Gesetze der bildenden Kunst
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Die weiteren Grenzen der neueren Kunst.

wie möglich; ich will ldich doch malen. Mag dich schon niemandgern sehen, so soll man doch mein Gemälde gern sehen; nicht insofernes dich vorstellt, sondern insofern es ein Beweis meiner Kunst ist,die ein solches Scheusal so ähnlich nachzubilden weiß": so ist ihmdas gewiß zuzugeben. Der Künstler, den die Sorge um den Erwerbzwingt, jedesschändliche verzerrte Gesicht" zu malen, das ihm Be-zahlung verheißt, wie vermöchte er's, wenn er nicht wenigstensden Trost hätte, daß er auch an dem schlechtesten Stoff sich noch alsKünstler zeigen könne. Und so wird wohl auch mancher Künstlerdes Alterthums gehandelt und gedacht haben. Aber sich ein häßlichesModell auswählen, um daran seine Kunst zu zeigen, dieseüppigePrahlerei mit leidigen Geschicklichkeiten" ist gewiß zu keiner Zeit häufiggewesen, und daß Lessing, der so gut wußte, wie es in der Seeleeines wirklichen Künstlers aussieht (vergl. Emilia Galotti), daßer denHang" zu solcher Prahlereinatürlich" finden konnte, be-weist nur, woraus ich auch schon früher hingewiesen: wie über alleBegriffe kläglich zu seiner Zeit die Kunstzustände in Deutschland ge-wesen sein müssen. Und doch thut er auch seinen Zeitgenossen Unrechtmit seiner Behauptung; waren sie auch zum größten Theil weiternichts als fleißige Kopisten, geistlose Nachahmer der Natur oder andererMaler: sie wollten doch sicherlich mit wenigen Ausnahmen nicht bloßschön malen, sondern sie meinten Schönes zu malen. Dies giltnatürlich in noch viel höherem Grade von denjenigen Bildern, ausdie sich Lessings Behauptung wohl vornehmlich bezieht: von Genre-bildern, Stillleben u. dergl. Er, der sonst so scharf controlirt, hatgar keine Ahnung davon, daß nur ein Fehler oder eine Dummheitdes Abschreibers derr Genre- und Stilllebenmaler (amTro/^^och Pf-raeicus bei Plinius zum Schmutzmaler hat werden

lassen'); er übersetzt (S. 21 s156j s.) das letztere Wort mit demmöglichst stärksten Ausdruck:Kothmaler"; in den obsonia, diejener gemalt, womit doch allerhand gute Dinge gemeint sein können,steht er nurKüchenkräuter", und die outrinae werden ihm unwill-

') Oder, falls man durchaus letzteres als richtige Lesart festhalten will,(was, wie ich zu meiner Verwunderung sehe, auch Lübke (Nord u. Süd, Bd. 34,Heft 100, S. 128) thut) daß doch nur eine scherzhafte Ver-drehung Von ist.