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Die eigene Vollkommenheit.
VI.
Die eigene WoMornmercheit.
Anfechtbarer dürfte die nächste Prämisse erscheinen: „Die Be-stimmung einer jeden Kunst kann nur die Darstellung derjenigenVollkommenheit sein, zu deren Herborbringung sie einzig und alleingeschickt ist, d. h. die sie ohne Beihülfe einer andern Kunst und besserals jede andere Hervorbringen kann." Es liegt nahe, hieraus zufolgern, daß, wenn zwei Künste zur Darstellung einer Vollkommenheitgleich geschickt sind, dieselbe die Aufgabe keiner von beiden seindürste. Die Darstellung dessen, was Lessing „collective Handlungen"nennt (H. 3 sB. n, 4j 2. A. XV; 4 sB. V, 5j XI4II; 12 sB. X, llj;s. aber unten XXXI) müßte er danach der Malerei ebenso wie der Poesieuntersagen, während er vielmehr sie als „das gemeinschaftliche Gebietder Malerei und Poesie" bezeichnet. Und somit hätten wir Lessingans einem Widerspruch ertappt und müßten seine Prämisse für unrichtigerklären. Allein, was er von seinem Verhalten gegenüber Aristotelessagt, sollte in viel höherem Grade für Jeden Richtschnur sein, dersich mit Lessing beschäftigt. Ich setze die ganze Stelle (Drama-turgie, 38. St. H. VII. S. 213) her: „Eines offenbaren Widerspruchsmacht sich ein Aristoteles nicht leicht schuldig. Wo ich dergleichenbei so einem Manne zu finden glaube, setze ich das größere Miß-trauen lieber in meinen als in seinen Verstand. Ich verdoppelemeine Aufmerksamkeit, ich überlese die Stelle zehnmal und glaubenicht eher, daß er sich widersprochen, als bis ich aus dem ganzenZusammenhänge seines Systems ersehe, wie und wodurch er zu diesemWiderspruche verleitet worden. Finde ich nichts, was ihn dazu ver-leiten können, was ihm diesen Widerspruch gewissermaßen unvermeidlichmachen müssen, so bin ich überzeugt, daß er nur anscheinend ist.Denn sonst würde er dem Verfasser, der seine Materie so oft über-denken müssen, gewiß am Ersten ausgefallen sein, und nicht mir un-geübtem: Leser, der ich ihn zu meinem Unterricht in die Hand nehme."
In der That würde schon der Umstand, daß wir es hier nichtmit dem Inhalt des fertigen Werkes, sondern mit vorläufigen Auf-