344
Der Himmel, der dir nie verstehn,
Des Schicksals taube Tyrannei,
Haß, der da waltet fesselfrei,
Der Wesen sich zur Lust ersannUnd grausam sie vernichtet dann,
Versagten dir des Todes Labe;
Der Ewigkeit elende Gabe
Ward dein — du hast sic wohl ertragen.
All', was der Donner dir entrungen,
War nur die Drohung, welche lcihuIhm mußte deine Foltcrpcin;
Das Schicksal, das dein Blick durchdrungen,Mocht'st du ihm nicht zur Liud'ruug sagen;Sein Urthcil lag in deinem Schweigen,Vcrgcbuc Reue ward sein eigen,
Furcht, die so schlecht er überwand,
Daß ihm der Blitz bebt in der Hand.
Dein Götterfrcvcl war allein
Die Güte, daß mit deinen LehrenDer Menschen Leid du suchst zu wehren,Und ihrem Geiste Kraft zu lcihu;
Ob du dem Himmel auch entrafft,
Laßt dennoch deine Duldcrkraft,
Die Dauer, welche Nichts bezwang,
Dein tiefer Geist, den zu verderbenVergebens Erd' und Himmel rang,
Noch eine mächt'gc Lehr' uns erben:
Du bist ein Zeichen und Symbol
Von Menschenschicksal, Kraft und Muth;Gleich dir, sind wir halbgöttlich wol,
Aus reinem Quell getrübte Flut;
Zum Thcil auch schaut mit SehcrblickDer Mensch sein tödtliches Geschick;