Druckschrift 
8 (1854) Stunden der Muße. Englische Barden und schottische Kritiker. Der Fluch der Minerva. Der Walzer. Ode auf Napoleon Bonaparte. Hebräische Melodien. Todtenklage auf den edeln R. B. Sheridan. Der Traum. Finsterniß. Tasso's Klage. Ode auf Venedig. Das eherne Zeitalter ... . Vermischte Gedichte
Entstehung
Seite
143
Einzelbild herunterladen
 

Zeilen unter einer Alme auf dem Kirchhof vonHorroiv geschrieben.

Baum meiner Jugend! dessen Zweige klagen,

Wenn in dein Laub sich klare Lüfte wagen,

Wo ich allein jetzt bi», der oft vor JahrenDen Raum betrat mit der Genosse» Schaaren,

Die jetzt vielleicht wie ich so fern zerstreutDie Zeit beweinen, wo sie sich gefreut:

O! wen» ich diesen Hügel jetzt betrete,

Erglänzt mein Auge staunend, denn ich beteDich alte» Ulmbaum an, in dessen SchattenDie Dämmrnngstunden Wonne für mich hatten.

Hier streckt' ich nach gewohnter Art mich hin,

Doch ach! mir fehlt der alte frohe Sinn!

O wie der Wind daö Laub vermag zu lenken,lim mich in alte Zeiten zu versenken !

Zu flüstern scheint cs mir so bang und hohl:

,,Nimm, weil du kannst, ein letztes Lebewohl!"

Wenn das Geschick des Herzens Glut verkühlt,

Und nicht mehr Gram und Leidenschaft drin wühlt,

Hab' ich als Trost im Tod mir oft gedacht,

Wenn irgend Trost cs gibt in Todcsnacht,

Fand' einst mein Herz die Todcszellc da,

Wo cs am liebsten früher schon sich sah.

Mit diesem Traume meint' ich süß zu sterben,

Hier wünscht' ich, hier die Ruhe zu erwerben;

Hier möcht' ich schlafen, wo mein Hoffen lebte,

Wo Jugendlnst und Ruhe mich umschwebte ;

Auf ewig von dem Schattendach umschlungen,

Bedeckt vom Nasen, wo ich einst gesprungen,