Das deutsche Kolonial-Museum.
Am 15. Oktober schloss die Ausstellung underreichte das frohe und lebhafte Treiben, welches sichim Laufe des Sommers im Treptower Parke entwickelthatte, sein Ende. Aber sie hatte eine Fülle von An-regungen gegeben, welche weiter fortwirkten und zu neuenUnternehmungen drängten. Unter ihnen sind die, welchedie Gründung eines Kolonial-Handelsmuseums be-treffen, am wichtigsten. In einer Ausschusssitzung derDeutschen Kolonialgesellschaft war bereits am 29. Mai autAntrag des Herrn Staatsministers v. Hofmann beschlossenworden, an das Auswärtige Amt das Ersuchen zu richten,dafür Sorge zu tragen, dass die in der Kolonial-Ausstellungbefindliche Sammlung der aus den deutschen Kolonienstammenden Rohprodukte und aus denselben gefer-tigten Fabrikate auch nach Schluss der Ausstellungzusammenbleiben und zum Grundstock eines Kolonial-Museums gemacht werden möchten. Dieser Gedankestiess nur in den Kreisen, welche fürchteten, dass dieVervollständigung der Sammlungen der Museen darunterleiden würde, auf Widerspruch, der aber dann fallen ge-lassen wurde, als der Charakter des Museums als einesvorwiegend handeis- und wirtschafts-politischen mehrhervortrat. Der Vorstand der Deutschen Kolonial-Ausstellung beschloss denn auch, den Ueberschuss derAusstellung als Fonds für diesen Zweck zu reservieren.Das ganz bedeutende Material, welches aus den Kolonienmit grossen Kosten herbeigeschafft war, wurde daherverpackt und wird den Grundstock des DeutschenKolonial-Museums abgeben, welches, in dem Gebäudedes früheren Marine-Panoramas entstehend, in Weiter-führung und Durchbildung des zeitgemässen und frucht-baren Ausstellungsgedankens, einen Sammelpunkt fürkoloniales Interesse und koloniales Leben bilden soll.
Die Aufgabe des Deutschen Kolonial-Museumswird daher sein:
Die Darstellung der Ausfuhr aus und der Einfuhrnach den deutschen Kolonien, wie der aus denProdukten hergestellten Fabrikate, behufs weitererVerbreitung und weiterer Verwendung der kolonialenErzeugnisse.
Erteilung von Auskunft und Vermittelung be-züglich des Handelsverkehrs von und nach denKolonien.
Darstellung desLebens in den Kolonien, sowohlder Weissen, wie der Eingeborenen, durch Ausstellungvon Wohnungs- und Pflanzungseinrichtungen in Bildund Modell, von Waffen und Geräten, nach der Natur,wie in Panoramen, Darbietung von Modellen. Schilde-rungen der hauptsächlichsten Handels- und Produktions-plätze, der Verkehrswege und Verkehrsmittel, Vor-lesungen und Belehrung über koloniale Verhältnisse.
Darstellung der Mittel zur Förderung der Hygiene,der Mission, der kolonialen Litteratur, der Geographie,Statistik und staatlichen Ordnung.
Einrichtung einer historischen Abteilung, welcheeinen Ueberblick über die bisherigen Leistungen aufdem Gebiete der Erforschung, Besitzergreifung undVerwaltung der Kolonien gewähren soll.
Wir schliessen hiermit unseren Bericht, indem wirnochmals allen denen unseren herzlichen Dank aussprechen,welche in liebenswürdigster, zum Teil aufopferungsvollsterWeise unsere Bemühungen unterstüzt haben. Mögeunser deutsches Volk immer mehr und mehr die Lehrenbegreifen, welche aus einer solchen Ausstellung ihmerwachsen, damit es gewappnet ist in dem in derZukunft sicher entbrennenden gewaltigen wirtschaftlichenKampf der Völker, welcher sich jetzt schon gefahrdrohendankündigt. Dann wird uns die Zukunft gehören.