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Deutschland und seine Kolonien im Jahre 1896 : amtlicher Bericht über die Erste Deutsche Kolonial-Ausstellung
Entstehung
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noch unbestimmten Alters besteht. Ganz an der Küstesind endlich die erwähnten Korallenkalke, die bei Finsch-hafen eine ziemlich breite Zone bilden, in der Astro-labebai aber sehr zurücktreten. Es müssen in diesenGebieten aber auch in der Nähe der Küste vielfach vul-kanische Gesteine anstehen, da Gerolle und Blöcke vonjungvulkanischem Gestein häufig im Bett der Küsten-flüsse gefunden werden.

Auch an der Küste zwischen der Astrolabebai undHatzfeldhafen, die grösstenteils aus Korallenkalk besteht,sind in den Flüssen vielfach vulkanische Gerolle, dasHinterland ist hier noch ganz unbekannt. Am Augusta-fluss, westlich davon dehnt sich vom Meer bis weit indas Innere niederes flaches Schwemmland aus, erst200 Seemeilen landeinwärts tritt ein Gebirge mitkrystallinischen Gesteinen an den Fluss heran. DasGebiet nördlich davon, auch die dortige Küste ist nochnicht erforscht, die letztere wird wohl ähnlich wie öst-lich von Hatzfeldhafen beschaffen sein.

Der Nordküste von Kaiser Wilhelmsland entlangliegt eine Reihe von Inseln, welche fast alle vulkanischsind, nur bei den westlichen Schouteninseln und beiRookinsel ist dies noch unsicher. Einige davon sind nochin historischer Zeit thätig gewesen, so z. B. Vulkan-insel, Dampierinsel, Ritterinsel. Diese Vulkanreihesetzt sich offenbar fort in den zum Teil sehr stattlichenKegeln, welche an der ganzen Nordküste von Neu-Pommern entlang sich erheben. Davon sind derVater, der Südsohn, ein Krater zwischen Mutter undSüdtochter und wohl noch andere noch nicht erloschen.Leider sind von dieser ansehnlichen Insel noch nichteinmal die Küsten genau festgelegt und begreiflicher-weise ist daher auch nichts über ihren Aufbau bekannt.Doch ist soviel sicher, dass vulkanische Bildungen dieHauptrolle spielen; die ganze Gazelle-Halbinsel scheintaus solchen zu bestehen, es ist aber wohl anzunehmen,dass, besonders an der Südktiste, auch Korallenkalkehäufig auftreten.

Von Neu-Mecklenburg wissen wir leider auchnicht viel. Vulkanische Gesteine sollen in seinem süd-lichen Teile herrschen, wurden aber auch in der Mitteder Insel gefunden, wo neben Kalken und Sandsteinenauch Granit, Porphyr, Diabas und Basalt Vorkommensoll. Ganz im Norden der Insel ist Korallenkalk häufig,wie ja auch die kleinen Inseln dort alle korallinischsein dürften. Interessant ist, dass im mittleren TeileNeu-Mecklenburgs Kreidegestein erwähnt wird, und dass

die Eingeborenen Figuren aus einem kreideartigenGestein verfertigen, das an der Nordküste nach Erd-beben vom Meere ausgeworfen werden soll, dort alsowohl in geringer Tiefe ansteht. Dieses ist nun ganzaus den Schalen von Foraminiferen zusammengesetzt,wie sie im südlichen Stillen Ozean in 1500 bis 2500Faden Tiefe den Globigerinenschlick erfüllen, Es sindalso auch hier, wie in den Salomonen und in KaiserWilhelmsland Anzeichen junger bedeutender Hebungenvorhanden.

Von den weiter westlich gelegenen Inseln sindNeu-Hannover und die Admiralitätsinsel in derHauptsache wohl vulkanisch, die umgebenden kleinenInseln aber korallinisch.

All die Vulkane auf den Inseln längs KaiserWilhelmsland, Neu-Pommern, Neu-Mecklenburg und dieletztgenannten Inseln, die ja auch Vulkane tragen oderdoch Eruptivgesteine aufweisen, scheinen einen Ring zubilden um das Meeresbecken in ihrem Innern, es ent-spricht daher dieses vielleicht einem Kesselbruch, andessen Rändern die eruptiven Massen hervordrangen.

Bei unseren geringen Kenntnissen über diesesGebiet können wir aber diese Frage nicht entscheidenund uns überhaupt kein Bild von dem ganzen Aufbaumachen, ebenso wissen wir natürlich fast nichts vondem Vorkommen nutzbarer Mineralien. Es sind hiernur die Phosphate auf den Purdy-Inseln zu erwähnen,deren Ausbeutung aber leider infolge der schwierigenLandungsverhältnisse aufgegeben werden musste.

Abgesehen davon kommen ja die Korallenkalk-Inseln, ebenso wie diejenigen aus jungvulkanischenGestein für das Auffinden nutzbarer Mineralien nichtin Betracht. Diese sind am ersten in den alten Ge-steinen zu erwarten, die wie erwähnt, an der südlichenKüste des Htion-Golfes bis an das Meer herantreten; essoll auch neuerdings dort, nahe an unserer Grenze, Goldgefunden worden sein. Die glücklich verlaufene Ex-pedition, die jetzt das Innere von Kaiser Wilhelmslanddurchzogen hat, wird sicher über Vieles uns Aufklärungbringen und dazu beitragen, die wissenschaftlich undpraktisch wichtigen Fragen über die geologische Be-schaffenheit dieses Gebietes der Lösung näher zu bringen.

So wird man hoffentlich auch bald genau wissen,wo die Untersuchung nach wertvollen Mineralien ein-zusetzen hat und was wir in dieser Beziehung erwartenkönnen.

Dr. Stromer von Reichenbach.