Kronen der Bäume ruhen. Sie nähren sich von Früchtenund kleinen Vögeln. Es scheint, als ob je nach derJahreszeit die Färbung ihres Haarkleides sich ändert.Wahrscheinlich lebt in jedem Gebiet je ein grössererund ein kleinerer Ohrenmaki. Von dem grossen Ohren-maki hat man 3 Formen aus Ostafrika beschrieben:Gulago crassicaudatus mit rostbraunem Pelz und dunklerSchwanzspitze, G. kirki mit hellgrauem Pelz und grauemSchwanz, G. lusiotis mit rostbraunem Pelz und weisserSchwanzspitze. Ob die ersteren beiden oder vielleichtalle drei zu derselben Form gehören, weiss ich nochnicht. Vielleicht ist der Weissschwanz - Maki(G. lusiotis) als ersetzende Form des Hinterlandes auf-zufassen, während an der Küste ein anderer Maki lebt.Die grossen Ohrenmaki besitzen das feinste Pelzwerk,welches ich aus Ostafrika kenne. Auch der kleineOhrenmaki (»Ndele«) von Deutsch-Ostafrika, derZwergmaki, scheint in der trockenen Jahreszeit andersgefärbt zu sein als in der Regenzeit. Möglicherweisesieht er im Dezember und Januar gelb, im Juni und
Fig. S. Grosse Blattnase, Hipposideros commersoni.
Juli aber grau aus. Vielleicht lebt im Innern auch eineetwas anders gefärbte Abart, sicher wird man in Ruhandaeine solche finden, welche dort wahrscheinlich mit derKamerun-Form übereinstimmt.
Affen und Halbaffen giebt es bekanntlich in Deutsch-land nicht in der Freiheit, die Fauna von Deutsch-Ost-afrika zeigt also hierin keinerlei Berührungspunkte mitunserer einheimischen Tierwelt. Anders ist es bei denP'ledcrmäusen. Sowohl die Dämmerungs-Fleder-mäuse ( Vespcrugo ) als die Flattermäuse ( Vespertilio)und die Hufeisennasen ( Rhinolophus) sind auch inDeutsch-Ostafrika zu finden, natürlich nicht in denselbenArten, aber doch in nahe verwandten Formen. Auchder Langfliigel-Flatterer (Mim-optenis), welcher imRheinthale vorkommt, hat einen sehr ähnlichen Vetteran der Sansibar-Küste. Unsere bekannte Ohren-Fle der maus ( Plecotus auritus) ist im tropischen Afrikanicht vertreten. Dafür haben wir aber eine ganze Reiheanderer, zum Teil sehr sonderbarer Formen. Da sinddie Hohlnasen (Ngcferis), die Ziernasen (Megaderma).die Dreizacknasen ( Triaenops) und die Blattnasen(.llipposideros ) (Fig. 8), deren Nasenlöcher von häutigen,
bei einigen Gruppen sehr abenteuerlich gestaltetenAnhängen umgeben sind. Ueber die Lebensweise der-selben weiss man so gut wie nichts; möglicherweisesaugen einige Blut. Ferner gehören der Fauna unseresSchutzgebietes die Zwergflatterer ( Keriooula) an unddie Schwirrfledermäuse ( Nycticejus ), Verwandte unsererMops-Fledermäuse, von denen namentlich die grüneFledermaus ( Nycticejus borbonicus) wegen ihrer oliven-grünen Färbung, von der sich die prachtvoll goldgelbeKehle auffallend abhebt, sehr bemerkenswert ist.
Noch eine merkwürdige Familie der Fledermäuseist in Afrika vertreten, die sogenannten Schwanz-Fledermäuse, j Gmballonuridae, deren Schwanzspitzebei einigen Arten die Schenkelflughaut durchbohrendaus der oberen Fläche derselben frei hervorragt, beianderen aber aus dem Hinterrande der Flughautlang hervortritt. Hierher gehören die Spaltnasen-Flatterer ( Coleura ) mit doppelröhriger Nase, dieFltigeltaschen-Flatterer ( Taphozous) mit einer offenenHauttasche am Handgelenk und die Grämler mit
Fig. 9. Grosser Flederhund, Epomophorus gambianus.
borstigen oder tief gefurchten Wangen. Ueber ihreLebensweise ist nichts bekannt.
Während alle bisher erwähnten Formen vorwiegendvon Insekten leben, nähren sich andere, grössere Arten,die Flederhunde ( Pteropodidae ), von Früchten. Siehaben eine hundeartige Schnauze, eine sehr schmaleSchenkelflughaut und besitzen am Zeigefinger eineKralle. Einige von diesen Flughunden scheinen zugewissen Jahreszeiten weite Wanderungen zu unter-nehmen; namentlich ist dieses wahrscheinlich bei dendurch ein Büschel weisser Haare am vorderen Ohr-rande ausgezeichneten fliegenden Hunden, {Epomo-phorus) von denen eine grössere {E. gambianus) (Fig. 9)und eine kleinere Art [E. minor ) im Schutzgebiete Vor-kommen. Im Kageragebiet und wahrscheinlich aucham Ostufer des Nyansa lebt noch eine dritte Form,der Isabell-Flederhund ( E. comptus), welcher auf derBauchmitte ein schneeweisses Feld hat. Ausser diesen,wahrscheinlich nur auf Bäumen schlafenden Fleder-hunden, leben noch zwei Arten der auch Höhlen be-wohnenden Nachtflederhunde ( Xantharpyia) inDeutsch-Ostafrika, welche an den Ohren keine weissen
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