der Ruvumalauf, der Nyassasee, Ssongwefluss undder Tanganyikasee; gut vermessen ist bereits auch dieGrenze vom Ocean bis zum Kilima-Ndjaro. Letztereschneidet den Umbafluss derart, dass ein Stück seinessonst deutschen, rechten Ufers englisch bleibt, wasschon zu Unzuträglichkeiten geführt hat und geändertwerden soll. Sehr unbestimmt in der Wirklichkeit istin Ermanglung guter astronomischer Positionen die aufdem Papier sehr bestimmt festgesetzte englisch-deutscheGrenze zwischen dem Kilima-Ndjaro und dem Victoria-Nyansa, wie Oberstlieutenant von Trotha unlängst er-fahren, und längs dem ersten Grade südlicher Breite,liier wird durch den betreffenden Vertrag ein Stückdes sonst in britischem Besitze befindlichen Uganda(Buddu) abgeschnitten und Deutschland überwiesen,während es naturgemäss bei Uganda bleiben müsste.Ganz unhaltbar ist die jetzige Grenze gegen den Kongo-staat, weil sie das Reich Ruanda mitten durchschneidetund zwischen beiden Staaten teilt, während der ur-sprüngliche Vertrag vom 8. November 1884 zwischendem Deutschen Reiche und der Association Inter-nationale du Congo ganz Ruanda und den KivuseeDeutschland zusprach. Mit Portugal ist unlängst über dieGrenze zwischen Ruvuma und Cap Delgado verhandeltworden, und die einem Parallelkreise folgende Grenz-linie zwischen der Einmündung des Nssindje in denRuvuma und dem Nyassasee liegt vorläufig auch nurauf der Karte, nicht in der Wirklichkeit fest; denn bisjetzt kennen wir die geographische Breite jener Ein-mündung auch nicht einmal annähernd.
B'ast drei Jahrzehnte hindurch, ehe es deutscheKolonie wurde, war dieses weite Gebiet von zahlreichenReisenden der verschiedenen Nationalitäten durch-zogen worden, seitdem 1855 die deutschen MissionareErhardt und Rebmann von einem grossen See imInnern vernommen hatten und 1857—1859 Burton undSpeke die erste erfolgreiche Reise ins Innere unter-nahmen und jenen einen in die drei Seen VictoriaNyansa, Tanganyika und Nyassa zerlegten. Es würdezu weit führen, hier ein vollständiges Verzeichnis allerReisenden vor der deutschen Besitzergreifung zu geben;denn infolge der Stanley'sehen Berichte über Ugandaund die dortigen guten Aussichten für die Propagandazogen englische und andere Missionare, und durch dieUnternehmungen König Leopold’s und der AssociationInternationale Africaine namentlich Belgier in Mengenach dem jetzigen Deutsch-Ostafrika; für die Karte desLandes haben sie freilich mit geringen Ausnahmennichts geleistet. Besonders hervorgehoben seien unterden älteren Reisenden folgende: von Deutschen Reb-mann, Krapf, Roscher, von der Decken, Kersten,Bischer, Wiffmann, Kaiser, Böhm und Reichard; vonEngländern Burton, Speke, Grant, Stanley, Livingstone,Cameron, Elton, Johnston, Thomson, Maples; vonFranzosen Giraud, Guyot, Bloyet; von Belgiern Cambier,
Becker, Burdo und andere mehr. Alle diese I'orscherhatten schon so viel Material zusammengetragen, dassE. G. Ravenstein 1882 eine Karte von Ostafrika (inweit grösserem Umfange allerdings, als Dcutsch-Ost-afrika allein) in dem Massstabe von 1 : 1 000 OOO ver-öffentlichen konnte, welche noch heute stellenweise vonWert ist. Aber riesige Gebiete waren vor 12 Jahrennoch niemals von dem Russe eines europäischenReisenden betreten worden; deutsche Energie hat sieseit jener Zeit wesentlich verkleinert und das schonfrüher Erforschte besser und sorgfältiger aufgenommen.Aber immer noch bleiben auf der Karte genug anweissen, unbekannten Stellen übrig, um noch auiviele, viele Jahre hinaus selbst Pionierreisenden lockendeZiele zu bieten. Immerhin haben die in Deutsch-Ost-afrika ausgeführten Reisen bei der Eigenart und Aus-dehnung des Landes grössere und mehr in die Augenspringende Erfolge aufzuweisen, als die in allen übrigendeutschen Kolonien. Zu nennen sind besondersfolgende Gelehrte und Offiziere, deren Namen inKlammern die speziellen Gebiete, wo sie hauptsächlichthätig waren, beigefügt sind: 1886 Junker, 1885/86
Graf Pfeil (Osten zwischen 5 0 und 9 0 südlicher Breite),1887/89 Hans Meyer (Usambara, Kilima-Ndjaro), 1888/95Oskar Baumann (Usambara, Massailand, Victoria undTanganyikasee, überhaupt der Norden), 1888 ff. PaterSchynse (Grosse Karawanenstrasse, Küsten des Victoria-Nyansa), 1888/94 und 1896 Dr. Franz Stuhlmann,dessen Arbeiten an Umfang und P'leiss mit an der Spitzevon allen stehen (Nguru, dann mit Etnin Pascha zu-sammen von der Küste zum Victoriasee, Karagwe,durch britisches und kongostaatliches Gebiet bis zumAlbert-Nyansa und allein zurück zur Küste, Usaramo,Ukami, U „ g, Usambara), 1891/94
der Geologe Lieder (Süden der Kolonie), 1891/92 Baronvon Bischer, 1882 Graf Schweinitz, 1893/94 Graf Götzen(neue Route durch den Norden, Ruanda, Entdeckungdes Vulkans Kirunga-tsha-gongo und des Kivusecs),seit 1892 Herrmann (Grosse Karawanenstrasse, Usaramo,Khutu, Ussagara, der Nordwesten), 1893/96 Ratnsay(Usaramo, Khutu, Mahenge, Nyassa-Expedition, Konde-land, der äusserste Südosten der Kolonie; jetzt im Nord-osten des Tanganyika mit Aufnahmen beschäftigt), 1893/94Schmidt II. (Küste zwischen Shungubweni und Tanga)1 893/95 Böhmer (Ussagara, Ugogo, Useguha), 1893/96Fromm (Osten zwischen Dar-es-Salaam und Mpwapwa,Uhehe, Südosten zwischen Rufiyi und Ruvuma), 1894Dr. Simon (Ussagara und Uhehe), 1894/95 Engelhardt(Uhehe, Ugogo), 1894/96 B'onck I. (Massaisteppe, Ugogoetc.), 1894/96 Schlobach (Usaramo, Ukami, Khutu),1895 Storch (Usambara; früher schon Khutu, Ussagara),Arning (Ulangagebiet), von Grawert (Khutu), Dr. Widen-mann (Meruberg), 1895/96 Glauning (Umgebung vonKilwa, Ugogo, Ussagara, Gedja, Massaisteppe undwestliche Grenzländer, Uhehe, Nguru), Superior van
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