Schon heute, nach zwei Jahren der Thätigkeit, hatunter der Umsicht des leitenden Arztes, Herrn Stabs-arzt Dr. Wicke, das Nachtigal-Krankenhaus sich einenso ausgezeichneten Ruf erworben, dass das Hospitalder französischen Nachbarkolonie zu Wydah einfachgeschlossen wurde, weil alle kranken Franzosen insdeutsche Hospital gingen! — eine Sache von grosserWichtigkeit auch für den Frauenverein, ebenso wie derZuzug der Engländer und Portugiesen in das Kamerun-Hospital, da das Auswärtige Amt den Verein miteinem gewissen Einnahme-Prozentsatz an den Pflege-geldern aller nicht zum Reichsdienst gehörigen Patientenbeteiligt. (Von der Neu-Guinea-Gesellschaft erhält derVerein sämtliche Pflegegelder und ioo Mk. monatlichZuschuss, muss aber dafür die Kosten der Kranken-und Schwesternernährung, sowie die Besoldung desDienerpersonals tragen.)
Im Jahre 1895 sah mit der Berufung nach Wind-hoek in Südwestafrika der Frauenverein sein Ziel, dieSegnungen des Roten Kreuzes in sämtlichedeutsche Kolonien tragen zu dürfen, erreicht. —Dankbar gegen Gott, dankbar gegen alle, die seinThun gefördert und ihm zu schönem Erfolge verholfenhaben, sieht der Prauenverein auf eine nunmehr acht-jährige Thätigkeit, während welcher er insgesamt42 Schwestern in die deutschen Kolonien entsandt hat,zurück. Augenblicklich sind 14 Schwestern in den Laza-retten draussen beschäftigt, in Ost-Afrika davon sechs,und zwar vier (deren eine den geburtshilflichen Kursusin Jena absolvierte) in Dar-es-Salaam, zwei in Tanga.In West-Afrika sind zwei Pflegerinnen in Togo, drei inKamerun thätig; in Siidwestafrika zu Windhoek derenzwei, und in Neu-Guinea waltet eine Schwester ihresPflegeamtes zu Stephansort.
Der Frauenverein verpflichtet seine Schwestern aufzwei Jahre, zahlt ihnen Ausrüstungs- und Reisekosten,Kleidergelder und Gehalt, übernimmt ferner im Hospitaldie Einrichtung der Krankenzimmer, der Küche undWirtschaftsräume und liefert sämtliches Geschirr, sowiedie Bett-, Tisch- und Küchenwäsche. Das AuswärtigeAmt dagegen stellt Arzt, Lazarett- und Wirtschafts-dienerschaft, Apotheke, Haus und Möbel. — Von derEinrichtung eines solchen Tropenlazarettes gab die dertropenhygienischen Ausstellung des Auswärtigen Amtsangeschlossene Baracke des Frauenvereins ein, trotzder zusammengeschachtelten Räume und zusammen-gedrängter Einrichtung, doch anschauliches Bild:Lackierte Eisen-Bettgestelle; ihre Matratzen, zwei- unddreiteilig, ebenso wie die Keilkissen (worunter auch immereinige verstellbare) mit Rosshaar- oder Pflanzendaunen-füllung. Rosshaargestopfte Kissen und ebensolcheKopf- und Fussrollen; dazu Woll- oder leichte Estre-maduradecken in weissem Bezüge, und in hohem Bogen-dach, das Ganze iiberschleiernd, die Moskitonetze ausenglischem Waschtüll. So zeigten sich in der Baracke
die beiden Lagerstätten für die Kranken. Neben demBette der zusammenlegbare eiserne Nachttisch; ein weissemaillierter Waschtisch, ein Krankenbetttisch sich weiteranschliessend. Eine bequeme Chaiselongue, Schrank undStühle, einige zierlich gemalte Kleinigkeiten als an-mutiger Wandschmuck, das Ganze überwacht von derSchwester, in leuchtend weisse Tropentracht gekleidet,am Arm die Binde mit dem roten Genfer Kreuz, dasSymbol werkthätiger Nächstenliebe. Es gab dies selbsthier in der Nachbildung des westafrikanischen Originalsein so anheimelndes und beruhigend wirkendes Ganzes,dass man den Freudenseufzer eines schwerverwundetenOffiziers wohl begreift, der, seinerzeit unter schwierigstenund mühseligsten Transportverhältnissen aus »dem Busch«ins Kamerun-Hospital gebracht, Bettstatt und Zimmerüberschauend, ausrief: »Das ist ja wie die deutscheHeimat selbst; nun bin ich schon halb kuriert!«
In der Ausstellungsbaracke folgte auf oben be-schriebenes Krankenzimmer dasjenige des Arztes mitArbeitstisch, Bibliothek und Apothekenschrank; fernerdas Operationszimmer mit sämtlichen Instrumenten undpeinlich sorgsamsten Einrichtungen für antiseptischeWundbehandlung. —• Auch der, für die Tropen unent-behrliche Baderaum mit Ofen nebst Wannen, sowieDusche- und Brausevorrichtung fehlte der Baracke nicht,ebensowenig Küche und Speisekammer, die gerade inden Kolonien ein gewichtiges Wort zur Kräftigung undGesundung der Kranken mitsprechen. Schneller alsKrankenpfleger und sonstige männliche Hilfskräfte lernenes die Schwestern, die Landesprodukte drüben derKrankenküche dienstbar zu machen und mit den ein-fachsten Mitteln die gerade Kranken gegenüber sonotwendige Abwechselung in den Speisezettel zu bringen.Die verständnisinnigsten Beurteiler dafür sind natürlichdie immerhin seltenen weiblichen Patienten, Missions-und Lehrerfrauen, Missionsschwestern u. s. w. Dank-bare Anerkennung findet die gute Küche aber beisämtlichen Pflegebefohlenen, gleichviel ob sie demstarken oder schwachen Geschlecht angehören. Die,während der Ausstellungszeit der Neu-GuineaschwesterEmma Kubanke und Windhoekschwester Auguste Dom-scheidt unterstellt gewesene Baracke ist von HerrnStabsarzt Dr. Liibbert angekauft, der sie im Laufe desnächsten Jahres in Swakopmund ärztlichen Zweckendienstbar zu machen beabsichtigt.
Ein anderes Ausstellungsfeld des Frauenvereins, undzwar in der grossen Kolonialhalle belegen, zeigt das vor-stehende Bild. Die sämtlichen Pflegestätten des Frauen-vereins in Ost-, West- und Südwestafrika sowie in Neu-Guinea, daneben auch Patienten, Pflegepersonal undschwarze Dienerschaft, photographisch aufgenommen undkolonienweise in Form des Genfer Kreuzes zusammen-gestellt, bilden den direkten Wandschmuck. Davon hebtsich wirkungsvoll das grosse Modell des schon oben er-wähnten Neu-Guinea-PIospitals auf der Insel Beliao ab.
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