kurz, die verschiedensten Gattungen und Arten in allenForm- und Farbnuancen sind vertreten.
Allgemeineres Interesse vielleicht als Vorhergehen-des dürfte die ethnologische Sammlung wecken; dasLeben und Treiben der Insulaner in Busch und Wald,in Krieg und Frieden, bei fröhlichen und ernsten Ge-legenheiten wird hier dargestellt durch die verschieden-artigsten Gegenstände: Küchengeräte, Kleidungsstücke,Schmucksachen für Tanz und Krieg, Waffen undKriegermasken, Fischnetze mit allem, was zu ihrer Her-stellung erforderlich ist, Muschelgelder, die beim Tausch-handel, beim Einkauf der Frauen, bei Krankenbesuchen,Begräbnissen und sonstigen Gelegenheiten zur Ver-wendung kommen, von Insulanern hergestellte Modelleder eigentümlichen Auslegerkähne, Zaubergegenständeund Schnitzwerke, die bei religiösen Funktionen ge-braucht werden — kurz, nichts wurde vergessen.
Es war ein glücklicher Gedanke, die verschiedenenGegenstände mit Kärtchen zu versehen, welche kurzNamen und Verwendung derselben angeben und somitmanche Eigentümlichkeit der wilden VolksstämmeOceaniens verraten. So vernehmen wir u. a., dass einschmutzigbrauner Ring aus Baumrinde als Gürtel dient;zugleich aber wird mitgeteilt, dass bei unseren Gegen-fiisslern nicht die Damen, sondern nur die jungenHerren sich die Taille schnüren; dass eine dreizinkige,aus Kasuarknochen verfertigte Gabel, die mit einemgleichartigen Messer in einem Fasernetui steckt, den»Schönen« des Landes bei der Toilette zugleich denHaarkamm ersetzt; dass ein aus der Riesenmuschelverfertigtes Armband überall und von allen getragenwird, während aus Gräsern hergestellte Armbänder nurvon den Witwern angelegt werden, und zwar zu Anfangoder zu Ende der Trauer, je nachdem die Armbändermit verlängerten Gräsern versehen sind oder nicht;dass eine lange, äusserst feine Haarflechte zum An-denken an Verstorbene oder abwesende Freunde aufder Stirn getragen wird, eventuell auch abgelegt werdenkann, da sie leider nur aus falschen Haaren besteht.Weiter werden uns netzartige Säckchen gezeigt mit demVermerk, dass dieselben Wiege und Kinderwägelchenersetzen; Kochtöpfe aus Baumrinde; mit gewisser Fertig-keit geschnitzte Holzsachen, die, an einer scheusslichenLarve befestigt, beim Tanze das Gesicht bedecken,während buntbemalte, aus Fasern und Kalk hergestellteTücher den Oberkörper einhüllen, so dass der Tanzsich förmlich zum Maskenball gestaltet; selten vor-kommende Amulettsäckchen, Zauberermasken u. s. w.
Weiteren Aufschluss über den ethnologischen Teilgab ein interessantes, reich illustriertes Album, wovonmehrere Exemplare aufgeschlagen lagen. Dasselbebefasste sich eingehend mit Land und Leuten, mitSprache und Sitten, mit den sozialen und religiösenZuständen unserer schwarzen Mitbürger und brachteausserdem genaue geographische Notizen, drei Spezial-
karten von Neu-Pommern und einen vollständigenBericht über das Wirken der Mission seit 15 Jahren. —Uebrigens brauchen wir nur einen Blick auf den päda-gogischen Teil der Missions-Ausstellung zu werfen, umuns zu überzeugen von den reichen Erfolgen, die bishererzielt wurden: Katechismus und Biblische Geschichtein der Sprache der Gazellen-Halbinsel; gediegene,tadellose Handarbeiten der kleinen Negermädchen; mitüberraschender Regelmässigkeit und Korrektheit be-schriebene deutsche Schreibhefte; Linearzeichnungenund Karrikaturen, wie sie besser unsere einheimischenA-B-C-Schiitzen nicht liefern, sprechen laut von frucht-barer, ausdauernder Arbeit.
Dass auch in religiöser Hinsicht die Herz-Jesu-Mission der schönsten Erfolge sich rühmen darf, be-weisen gut gelungene Momentaufnahmen von Taufenund sonstigen kirchlichen Feierlichkeiten, die nebstvielen anderen Photographien zur Ausstellung gelangten.
Allerdings ist ein so grossartiges Civilisations- undBekehrungswerk mit schweren Leiden und Entbehrungenverbunden; schon mehr denn einer von den helden-mütigen Vorboten der Civilisation wurde inmitten seinerArbeiten vom Tode dahingerafft; zwei Lichtdruckebringen das Bildnis der letzten Opfer, welche erst imAlter von 31 und 34 Jahren standen.
Alles in allem gestaltet sich die Ausstellung derHerz-Jesu-Mission zu einem treuen Bilde unserer Süd-seebesitzungen und ist zugleich eine glänzende Apologievon all dem Grossen, was deutsche Thatkraft unddeutscher Opfermut vermag, unterstützt und genährt vonden heiligen Idealen des Glaubens.
H. Linckens,
Missionar vom hl. Herzen Jesu.
Der Deutsche Frauenverein für Krankenpflegein den Kolonien.
Der unter dem Protektorat Ihrer Majestät derKaiserin stehende Frauenverein für Krankenpflege inden Kolonien ist zugleich auch Hilfsverein des grossenVaterländischen Frauenvereins und geniesst die Rechteeiner juristischen Person seit Dezember 1895. IhreHoheit Frau Herzogin Johann Albrecht zu Mecklenburg,die warme Freundin unserer Kolonien, führt den Ehren-vorsitz; die Gräfin von Monts, Witwe des komman-dierenden Admirals, ist die zielbewusste, energischeVorsitzende des Vereins.
Als seiner Zeit auch die deutsche Nation in denWettstreit um den Besitz überseeischer Kolonien ein-trat, regte sich in den Frauenherzen gleichfalls derWunsch, teilzuhaben an dem neuen Arbeitsfeld. Abernur das ureigenste Gebiet der Frau »die Kranken-pflege« galt es sich zu sichern! Die Wunden, die ge-schlagen werden mussten, sollte weibliche Pursorge zuheilen versuchen; versuchen wollte man, der deutschen
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