Rebellen werden Beweise dafür durch Waffenfunde ge-liefert. Nach Togo wird Pulver von Französisch-Dahomemassenhaft eingeschmuggelt. Ganz dasselbe geschiehtauch in fremden Kolonien von einzelnen Seiten. Mandenke nur an die Versorgung des Sultans Samory, derAschanti, vor allem aber des Mahdi und der Abessiniervon europäischer Seite mit besten Waffen und Schiess-vorräten. Man würde gewiss Unrecht thun, wenn mandie einzelnen Regierungen stets beschuldigen wollte,diesen Handel zu kennen oder gar zu fördern; immer-hin aber kann verschiedenen Verwaltungen der Vor-wurf nicht erspart bleiben, dass sie nicht energisch undsorgfältig genug ihren Kaufleuten auf die Finger sehenund nachgewiesenen Schmuggel nicht hart genug be-strafen. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren,als wenn es in hochcivilisierten europäischen StaatenLeute genug gäbe, welche aus Hass gegen eine kon-kurrierende Nation selbst die schlimmsten Barbarenunterstützen möchten. Beispiele loyaler Handlungsweise,wie Deutschland ein solches gegeben hat, als es Kauf-leute, die nachgewiesenermassen dem König von Da-home Waffen geliefert hatten, einfach ihrer verdientenStrafe überlieferte, sind nicht gerade häufig in dermodernen Afrikageschichte.
4. Glasperlen verschiedener Art sind neben Messing-waren der einzige Artikel, der noch in grösseren Mengenvon den Plingeborenen ausser dem bereits Aufgezähltenbegehrt wird. Aus der Statistik ist nicht zu ersehen,welchen Umfang diese Einfuhr in den verschiedenenKolonien hat. Im allgemeinen scheint es, dass derAbsatz dieser Artikel in Afrika zurückgeht. In vielenGegenden, wo die Mission oder der Islam Einfluss übt,beginnen die Leute mehr als früher Kleider zu tragenund lieber Stoffe als Perlen oder Schmuck zu kaufen.Die Glasperlen werden jetzt in den verschiedenstenMustern und sehr prachtvoll erzeugt. Hauptsächlichwird ihre Herstellung in Böhmen und Venedig betrieben,von wo sie nach der ganzen Welt verschickt werden.Deutschland liefert wohl nur sehr wenig davon. Da-gegen werden die viel begehrten Messingwaren allerArt für den afrikanischen Handel fast ausschliesslichaus deutschen Fabriken bezogen.
Ein Bedarfsartikel der Eingeborenen, der sichneuerdings immer mehr in Afrika einbiirgert, sind end-lich Streichhölzer; sie kommen meist aus Schwedenund Belgien.
B. Gegenstände für den Bedarf der Europäermüssen natürlich in viel grösserer Mannigfaltigkeit alsdie Waren für die Eingeborenen nach den Schutz-gebieten geschickt werden; nimmt doch der Kolonistalle heimischen Bedürfnisse nach dem neuen Auf-enthaltsorte mit. Bei der in allen tropischen Kolonienindessen geringen weissen Bevölkerung handelt es sichbei der Einfuhr aller dieser Artikel nur um kleineMengen. Nur in Südwestafrika, wo die meisten Europäer
ansässig sind und die Eingeborenen rasch deren Sittenannehmen, kann sich allmählich ein grösserer Absatzvon Gegenständen für den Gebrauch von Kulturmenschenentwickeln.
Den wichtigsten Platz unter den Gegenständen fürden Gebrauch der Europäer nehmen die Lieferungenfür Verwaltungs- und Verkehrszwecke ein. Es kommendabei in Betracht:
1. Materialien für Hausbau und Wohnungs-einrichtungen. In der ersten Zeit der deutschenKolonialpolitik, wo in den Schutzgebieten keinerlei Ein-richtungen und Personal für Bauten vorhanden waren,musste man die Häuser nebst der ganzen Einrichtungfertig hinaussenden. Man wählte dazu Holzhäuser, wiedas von Schmidt-Altona erbaute Tropenhaus in derKolonial-Ausstellung, oder man erbaute die Häuser ausEisen und den Gipsdielen der Monnier-Gesellschaft.Heute werden letztere Bauten fast garnicht mehr undHolzhäuser nur noch selten aus Europa bezogen; manbaut jetzt nach Anlage guter Ziegelbrennereien in Ost-und Südwestafrika massive Steinhäuser und in Togound Kamerun Steinhäuser mit hölzernem Obergeschoss.Es ist mittlerweile noch eine Reihe von Kunststeinenerfunden worden, die sich für tropische Bauten guteignen sollen, und ausserdem haben die Fabrikantenauch praktische Bauten aus Holz, Wellblech oder Leinenhergestellt, welche besonders für Farmer von Nutzensein können. Die Ausstellung hat alle diese Erfindungenin lehrreichen Proben vorgeführt.
Für die Einrichtung von Wohnungen in denKolonien arbeiten gegenwärtig schon eine ganze Anzahldeutscher Firmen mit Berücksichtigung aller neuerenErfahrungen. Viele Gegenstände liefern die Firmenv. Tippelskirch & Co. sowie Selberg & Schlüter, welchedie besten Fabrikanten an der Hand haben. Möbel fürdie Tropen stellen J. C. Pfaff und Prächtel in Berlin her.
2. Gegenstände für Verkehrszwecke.
In dieser Hinsicht sind für die Schutzgebiete bis-her hauptsächlich Schiffe und Boote verschiedener Art,Leuchttürme, Bojen, Werkzeuge für Wegebau und Wagenin Betracht gekommen. Für Bahnbauten ist bisher inihnen, abgesehen von der Tangabahn in Ostafrika, nichtsgeschehen, als die Errichtung einiger kleiner Feldbahnenund die Vermessung einer kurzen Bahnlinie in Togo.Die letztere ist durch die Firma Vering und Wächterausgeführt worden. Von den beiden bisher errichtetenI'eldbahnen befindet sich die eine in Neu-Guinea, wosie auf einer Plantage in Betrieb ist; die zweite istan der Küste von Swakopmund (Südwestafrika) erbautund dient zur Beförderung der gelandeten Güter nachden Magazinen. Beide sind von der Firma Arthur Koppel(Berlin, Dorotheenstrasse) geliefert, welche bereits invielen tropischen Ländern Kleinbahnen gebaut hat.
Kommt es zur geplanten Herstellung weiterer Bahn-linien, so wird der deutschen Eisenindustrie sowohl als