Verschwörung gegen den Inquisitor Arbues. 313
Wie viel Opfer hat die Inquisition in diesem Lande unter Arbuesdem Feuer überliefert in den sechszehn Monaten seiner Funktion? InSaragossa hat nicht, wie in Toledo, ein Augenzeuge, welcher an denAutos da Fs im Anfänge Freude empfand, ihre Zahl und Namenausgezeichnet. Bekannt ist nur, daß in Saragossa mehrere Neuchristenverbrannt wurden, darunter die Schwester eines thatkräftigen MarranenJoan de la Abadia und drei Männer^). Als Delegirter vonTorquemada hatte Arbues ohne allen Zweifel die Weisung und auchdas Temperament, nicht schonend zu verfahren, sondern was für denKerker bestimmt war, dem Kerker, was für den Tod dem Tode zuüberliefern. Der Schrecken vor ihm war auch so groß, daß wie inSevilla und Toledo eine Anzahl Marranen die Flucht ergriffen hat.Die aragonische Inquisition scheint indeß ihre Opfer zuerst aus demMittelstände ausgesucht zu haben.
Erst als einer der angesehensten Marranen Leonardo de Eliin den Kerker geworfen wurde, erwachten sie aus ihrem Wahne, daßdie Hand der Inquisition nicht so hoch hinauf reichen würde. DieseVornehmen steckten die Köpfe zusammen, um zu berathen, wie sie denauch ihnen drohenden Schlag abzuwenden haben. Am meisten Eifer
Pater Gam machte Anstrengungen, um Arbues, welchen Kaulbach alsTypus des mcnschcnmördcrischcn katholischen Fanatismus gemalt hat, weil nuneinmal Papst Alexander VII. ihn zum Seligen erklärt (1684) und Pio Nonoaller Welt zum Trotze ihn zum Heiligen gemacht hat, lammfromm darzustellcn,daß dieser Inquisitor am Ende sehr, sehr wenig Marranen habe verbrennenlassen (spanische Kirchengcsch. III, 2 S. 24 ff.). Er giebt allenfalls zu, wasdie ^cta Lanctorum zu Arbues' heiligem Tag rcferiren: lloannss äsI, a lln 6 i a sx oäio, quo Lentuin (^.rllucs) prosequsllatur . . . qua, illiussoror all coäem trillunali paulo auts äamnata t'usiat. Aber Llorcntc hatnoch die Proccßakten von mehreren Ncuchristcn, welche Mai — Juni 1484,d. h. im Beginne von Arbues' Funktion — verbrannt worden waren, vorAugen gehabt (I. 188). Und Llorcntc's gewissenhafte Treue, wenn er sich aufUrkunden beruft, haben neue Funde in Spanien bestätigt. Er hat nicht ge-flunkert, was Pater Gam von ihm behauptet; er hat nur einen falschen Calcnlvon der enormen Zahl der verbrannten Marranen ausgestellt. Die jetzt inBordeaux befindlichen Proceßakten der Inquisition von Saragossa enthaltenauch ein Convolut von der Verurtheilung contra llollannom Vrancis nasrcs.-torem juäamantsin von 1485, noch vor Arbues Tod. Vcrgl. noch Note 12.Warum sollte dieser milder verfahren sein, als die Inquisitoren in Sevilla undToledo? Wäre er milden Herzens gewesen, hätte ihn Torquemada nicht ein-gesetzt. Die Inschrift auf seinem Grabcsdcnkmal, welche zwei Jahre nach seinemTode angebracht worden war:
„I'uAits llinc retro, luAitc cito lluciaci.
,d>ain luANt prctiosus psatcin llzmcintllus lapis" (Ustrus)zeugt keineswegs dafür, daß er hätte Milde walten lassen.