100
„Wie, wenn er den Lancastriern verziehe? Wie,wenn —"
„Sprecht den Gedanken nicht aus, Prinz, keinenHauch davon!" rief die Lady Bonville, beinahe heftig.„Ich liebe und ehre meinen tapfern Bruder, trotz —trotz —Sie hielt einen Augenblick inne, crröthete, undfuhr dann rasch fort, ohne den Satz zu beendigen: „Ichliebe ihn, wie eine Frau seines Hauses den Helden liebenmuß, der dessen stolzeste Zierde ist. Aber wenn aus irgendeinem persönlichen Groll, irgend einem niedrigen Ehrgeizoder in einer ungestümen Erbitterung der Sohn meinesVaters, Salisbury, vergessen könnte, daß das blutigeHaupt dieses alten Mannes aus Befehl dieser Marga-retha von Anjou auf den Thoren von Uork aufgestecktwurde, wenn er mit Wort oder That unterstützen könntedie Sache der usurpatorischen, blutdürstigen Lancastrier,— ich würde — ich würde — pfui über mein Geschlecht!Ich könnte Nichts thun als den für immer entschwundenenRuhm von Nevile und Monthermer beweinen!"
Ehe Richard antworten konnte, verkündigte der Tonmusikalischer Instrumente und ein Zug von Herolden undPagen, der sich vom Palast her bewegte, die AnnäherungEdwards. Er ergriff die Hand der Dame von Bonville,führte sie an seine Lippen, sagte: „Möge mir das Glückdereinst vergönnen als Sohn des Grafen den Feinden desGrafen entgegenzutreten," machte seine zierliche Verbeu-gung, schlüpfte aus dem Garten, gewann seine Barkeund ließ sich nach dem gewaltigen Gebäude Baynard's