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2 (1838) Immanuel Kant's Kritik der reinen Vernunft
Entstehung
Seite
344-345
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311 Elementarlehre. H. Th. U. Abth. II. Buch. 2. H^ytst.

Erster Widerstreit dcr

Thesis.

Die Welt hat einen Anfang in der Zeit, und ist dem R»nach auch in Grenzen eingeschlosscn.

Beweis.

Denn man nehme an: die Welt habe der Zeit nach keim An-fang, so ist bis zu jedem gegebenen Zcitpuncte eine Ewigkeit abge-laufcn und mithin eine unendliche Reihe auf einander folgend»Zustände der Dinge in der Welt verflossen. Nun besteht aber ebendarin die Unendlichkeit einer Reihe, daß sie durch succesive Synthesisniemals vollendet sein kann. Also ist eine unendliche verflosseneWcltrcihe unmöglich, mithin ein Anfang der Welt eine nochmdigeBedingung ihres Daseins; welches" zuerst zu beweisen war. ^

In Ansehung des Zweiten nehme man wiederum das Gegentheil >'an, so wird die Welt ein unendliches gegebenes Ganzes M Muchexistirenden Dingen sein. Nun können wir die Größe eines Quantswelches nicht innerhalb gewisser Grenzen jeder Anschauung gegebr»wird*), aus keine andere Art, als nur durch die Synthesis derTheilc, und die Totalität eines solchen Quanli nur durch die vell-endete Synthesis oder durch wiederholte Hinzusetzung der Einheitzu sich selbst gedenken**). Demnach, um sich die Welt, die alle

*) Wir können ein unbestimmtes O.uantum als ein Ganzes auch««,wenn cs in Grenzen eingeschloffen ist, ohne die Totalität desselben durch M-sung d. i. die successivc Synthesis seiner Theile construiren zu dürfen.die Grenzen bestimmen schon die Vollständigkeit, indem sie alles Mehrere «t-schneiden.

**) Der Begriff der Totalität ist in diesem Falle nichts Anderes, als dieVorstellung der vollendeten Synthesis seiner Theile, weil, da wir »ichU«der Anschauung des Ganzen, (als welche in diesem Falle unmöglich issi) ^Begriff abzichcn können, wir diesen nur durch die Synthesis der Theilc »zur Vollendung des Unendlichen, wenigstens in der Zdee fassen könne».

2 . Abschn. Antithetik d. reinen Vernunft. — Erste Antinomie. 3-15

reinen Vernunft.

transscendentalen Ideen.

A n t i t h e s i S>

Die Welt hat keinen Anfang und keine Grenzen im Raume,sondern ist sowohl in Ansehung der Zeit, als des Raums unendlich.

Beweis.

Denn man setze: sie habe einen Anfang. Da der Anfang einDasein ist, wovor eine Zeit vorhergeht, darin das Ding nicht ist,so muß eme Zeit vorhergegangen sein, darin die Welt nicht war,d. i. eine leere Zeit. Nun ist aber in einer leeren Zeit kein Ent-stehen irgend eines Dinges möglich; weil kein Theil einer solchenZeit vor einem anderen irgend eine unterscheidende Bedingung desDaseins, vor die des Nichtseins an sich hat, (man mag annehmen,daß sie von sich selbst, oder durch eine andere Ursache entstehe.)Also kann zwar in der Welt manche Reihe der Dinge anfangen,die Welt selber aber kann keinen Anfang haben, und ist also inAnsehung der vergangenen Zeit unendlich.

Was das Zweite betrifft, so nehme man zuvörderst das Gegen-theil an: daß nämlich die Welt dem Raume nach endlich und be-grenzt ist, so befindet sie sich in einem leeren Raum, der nichtbegrenzt ist. Es würde also nicht allein ein Verhältniß der Dinge>m Raum, sondern auch der Dinge zum Raume angetroffenwerden. Da nun die Welt ein absolutes Ganzes ist, außer welchemkein Gegenstand der Anschauung, und mithin kein Correlatum der