64
ihn die Briefe von Lord Saringham, daß Alles sichgünstig anlaffc, daß der Hof und die Häupter der Ari-stokratie sich täglich mehr dem Premierminister entfrem-den und einer Veränderung des Kabiuets geneigt wer-den. Und Vargravc überschätzte vielleicht, wie diemeisten vermögenslosen Männer, di/ Vorthcile, dieihm erwachsen, die servilen Meinungen, die er gewin-nen wurde, in seiner neuen Eigenschaft als großerLandbesitzer nnd reicher Peer. Er war nicht blind ge-gen die stille Qual, welche Evclinc zu erdulden schien,noch auch gegen den bittcrn Trübsinn, der der LadyDoltimorc Stirne umwölktc. Aber das waren Wolken,die keinen Stnrm weissagten — leichte Schatten, welchedie Heiterkeit eines begünstigenden Himmels nicht ver-dunkelten. Er stellte sich auch fortan, als ob er beidesnicht bemerkte; als ob er das bevorstehende Ereignißals etwas sich ganz von selbst Verstehendes betrachtete.Und gegen Evclinc legte er eine so zarte, unvcrtrau-lichc, achtungsvolle und feine Neigung an den Tag,daß er keine Möglichkeit zur Vertraulichkeit oder zurKlage offen ließ. Die arme Evclinc! ihre Munterkeit— ihr bezaubernder leichter Sinn — ihre holde, kin-dische, harmlose Art des Benehmens war ganz ver-schwunden. Blaß, mager, duldendergcben und ohneLächeln — war sic nur noch der Geist ihres frühemWesens! Aber Tage verstrichen und der schlimme Tagnäherte sich; sic bebte zurück, aber sie dachte nie ent-fernt daran, Widerstand leisten zu wollen. Wie viele