nie errathen! Es war theils das, daß, wenn das Beispieloft verderbt, es auch ebenso oft abschreckt; aber vorzüg-lich : daß sie liebte. Ein Mädchen das einen Mann mitreinem Sinne liebt, hat ein Amulet, das aller Versuchungendes Wüstlings spottet. Ein schöner junger Italiener, einKünstler, der häufig ins Haus kam — das war der Mann.So hatte ich denn zwischen Mutter und Tochter zu wählen;ich entschied mich für die letztere."
Philipp ergriff Gawtreyst Hand, drückte sie mitWärme, und der Taugenichts fuhr fort:
„Wißt Ihr wohl, daß ich das Mädchen so innigliebte, als ich nur je die Mutter geliebt hatte, obwohl inandrer Art; sie war das, wofür ich die Mutter gehaltenhatte; nur noch schöner, noch anmuthiger, noch gewin-nender, mit einem Herzen so voll Liebe, wie das ihrerMutter voll Eitelkeit gewesen. Zch liebte dies Kind, alswäre es meine eigne Tochter; ich bewog sie, ihrer MutterHaus zu verlassen — ich verbarg sie — ich sah sie verbun-den mit dem Manne den sie liebte — ich führte sie ihmals Braut zu, und sah sie dann mehrere Monate nicht."
„Warum?"
„Weil ich sie im Gefängniß zubrachte! Die jungenLeute konnten nicht von der Luft leben; ich gab ihnen wasich hatte, und um Mehr thun zu können, that ich Etwas,das der Polizei mißfiel; ich entkam damals mit knapperNoth; aber ich bin beliebt— sehr beliebt — und vermögeeiner Menge nicht allzugewiffenhafter Zeugen kam ich los!Als ich wieder frei war, wollte ich sie nicht besuchen,