1628
sie wirklich nicht getäuscht worden war, nicht mehr für sichselbst, sondern bloß noch für ihr Kind flehen.
Der damalige kriegerische Stand der festländischen An-gelegenheiten verzögerte die Ausführung dieses Vorhabens,und auch die Rückreise wurde durch verschiedene Hindernissein die Länge gezogen. Endlich aber erreichte sie Englandund suchte zuerst das Häuschen wieder auf, wo sie vor ihrerAbreise nach dem fremden Land Schutz gefunden hatte.Abends begab sie sich nach Audley's Wohnung in London undtraf daselbst nur eine Frau, welche mit der Hut des Hau-ses betraut war. Mr. Egcrton befand sich auswärts —irgendwo in einem Wahlbezirk — und Mr. Lcvy, sein Sach-walter, kam jeden Tag, um sich nach den Briefschaften zuerkundigen, die an ihn befördert werden sollten. Nora er-schrack vor dem Gedanken, mit Levy zusammenzutreffen,und noch weniger wollte sie einen Brief durch seine Händegehen lasten. Waltete ein Betrug ob, so war sie durch ihn,und zwar absichtlich, hintergangen worden. Doch das Par-lament war bereits aufgelöst, die Wahlen mußten bald vor-über seyn, und Mr. Egertons Rückkehr nach London wurdeim Lauf der Woche erwartet. Nora kehrte zu Mrs. Goodyerzurück und beschloß, allein mit dem stummen Grame ihresHerzens zu harren. Aber aus den Zeitungen konnte sie er-fahren, wo sich Audley wirklich aufhielt. Sie wurden herbei-geschafft und waren Nora's tägliche Lektüre.
Eines Morgens traf ihr Auge auf folgenden Artikel:„Der Graf und die Gräfin von Lansmere ha-ben ausgezeichnete Gesellschaft aus ihrem Landsitz.