1606
Takt der Liebs, daß ein solches Vertrauen, der Gedanke aneinen solchen Nebenbuhler, den Stolz ihres feingebildetenund edelgeborenen Gatten verletzt haben würbe.
Während nun Harley L'Estrange, ganz außer sichüber die Kunde, daß Nora Lady Jane's Dach verlassen hatte,und absichtlich in falsche Richtungen geleitet, vergebens dieSpur der Flüchtigen anfzusinden sich mühte, gab sich Eger-ton unter einem angenommenen Namen und in einem abge-schiedenen Winkel— fern von den Clnben, welche seine Worteals Orakel betrachteten, und fern von dem Treiben der Lustsowohl als der Anstrengung, welches bisher seinen thätigenGeist beschäftigt hatte — voll Verwunderung über sich selbstdem einzigen Traum von einem Feenland hin, der je diewachen Augenlider des harten Ehrgeizes zugedrückt hat.Für eine Weile hatte er die Welt von sich ausgeschlossen;er vermißte sie nicht — wußte nichts von ihr. Er sah inzwei liebende Augen, die später stets wie ein Spuk in seinstrenges, kaltes Daseyn hereinblickten, und murmelte vorsich hin : „Ja, dies ist wahres Glück!" Und oft, oft wieder-holte er in der Einsamkeit anderer Jahre dieselben Worte,nur mit dem Unterschied, daß er statt des ist sich des warbediente. Und Nora mit dem großen, volle» Herzen, mitihrem überqucllendcn Ncichthum an Phantasie und Gedanken,ein Kind des Lichtes und tcs Liedes — entdeckte sie damalsnie, daß verhältnismäßig etwas Engherziges und Unfrucht-bares in dem Charakter lag, an den sie ihr Schicksal geket-tet hatte? Hier konnte doch unmöglich eine Sympathieseyn mit Gefühlen, die so glänzend und wechselnd waren,