f
2. Abschn. Bon den transsccndcntalen Ideen. 301
kemmciiden Falle die Bedingung der Regel statt. Also wird das,>vaS unter jener Bedingung allgemein galt, auch in dem Vorkom-men Falle, (der diese Bedingung bei sich führt,) als gültigangesehen. Man sicht leicht, daß die Vernunft durch Vcrstandes-bandlungen, welche eine Reihe von Bedingungen ausmachen, zuninem Erkenntnisse gelange. Wenn ich zu dem Satze: alle Körpersind veränderlich, nur dadurch gelange, daß ich von dem entfernterenErkenntniß, (worin der Begriff des Körpers noch nicht vorkommt,der aber doch davon die Bedingung enthalt,) anfange: alles Zu-sammengesetzte ist veränderlich; von diesem zu einem näheren gehe,der unter der Bedingung des elfteren steht: die Körper sind zusam-mengesetzt; und von diesem allererst zu einem dritten, der nunmehrdaS entfernte Erkenntniß (veränderlich) mit dem vorliegenden ver-knüpft: folglich sind die Körper veränderlich; so bin ich durch eineReihe von Bedingungen (Prämissen) zu einer Erkenntniß (Conclusion)gelangt. Nun läßt sich eine jede Reihe, deren Exponent (des kate-gorischen oder hypothetischen Urthcils) gegeben ist, fortsetzcn; mithinführt eben dieselbe Vernunfthandlung zur ratiooiiistio pol^llo-xistiea, welches eine Reihe von Schlüssen ist, die entweder auf derSeite der Bedingungen (per prosz'IIoxismos) oder des Bedingtenßiei- epi8)-IIoxi8iuo8), in unbestimmte Weiten- fortgesetzt werden kann.
Man wird aber bald inne, daß die Kette oder Reihe der Pro-syllogismen d. i. der gefolgerten Erkenntnisse auf der Seite derGründe oder der Bedingungen zu einem gegebenen Erkenntniß, mitanderen Worten: die aufstcigende Reihe der Vcrnunftschlüsse sichgegen das Vernunftvermögen doch anders verhalten müsse, als dieabsteigende Reihe d. i. der Fortgang -der Vernunft auf derSeite des Bedingten durch Episyllogismen. Denn da im erstcrcnFalle das Erkenntniß (conclli8io) nur als bedingt gegeben ist, sokann man zu demselben vermittelst der Vernunft nicht anders gelangen,als wenigstens unter der Voraussetzung, daß alle Glieder der Reiheauf der Seite der Bedingungen gegeben sind (Totalität in der Reihebn Prämissen), weil nur unter deren Voraussetzung das vorliegendeUnheil i» priori möglich ist; dagegen auf der Seite des Bedingten