Druckschrift 
2 (1838) Immanuel Kant's Kritik der reinen Vernunft
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Einleitung.

i.

Von dom Unterschiede der reinen und empirischenErkenntniß.

Daß alle unsere Erkenntniß mit der Erfahrung anfange, daran istgar kein Zweifel; denn wodurch sollte das Erkenntnißvermögcn sonstzur Ausübung erweckt werden, geschähe cs nicht durch Gegenstände,

> die unsere Sinne rühren und thcils von selbst Vorstellungen bewir-ken, theils unsere Verstandesfähigkeit in Bewegung bringen, diese. zu vergleichen, sie zu verknüpfen oder zu trennen, und so dennhen Stoff sinnlicher Eindrücke zu einer Erkenntniß der Gegen-stände zu verarbeiten, die Erfahrung heißt? Der Zeit nach gehtuh keine Erkenntniß in uns vor der Erfahrung vorher und mitdieser sangt alle an.

Wenn aber gleich alle unsere Erkenntniß mit der Erfahrunganhebt, so entspringt sie darum doch nicht eben alle aus der Er-fahrung. Denn es könne wohl sein, daß selbst unsere Erfahrungs-ttkcnntmß ein Zusammengesetztes aus dem sei, was wir durch Ein-drücke empfangen, und dem, was unser eigenes Erkenntnißvermö-gm (durch sinnliche Eindrücke blos veranlaßt) aus sich selbst hcr-gibt, welchen Zusatz wir von jenem Grundstoffe nicht eher unter-scheiden, als bis lange Uebung unS darauf aufmerksam und zurAbsonderung desselben geschickt gemacht hat.

Es ist also wenigstens eine der näheren Untersuchung noch be-köstigte und nicht aus den ersten Anschein sogleich abzufcrtigende Frage:vb cs ein dergleichen von der Erfahrung und selbst von allen Ein-drücken der Sinne unabhängiges Erkenntniß gebe? Man nennt

3 *