252 Geschichte der Juden.
hatte auch ihre Anhänger. Ein ansehnlicher Theil der Cortes drangin Dom Pedro, der Anmaßung der Marranen zu steuern. DerRegent war ohnehin empfindlich verletzt, daß der päpstliche Nuntiusdie Suspension der Tribunale ohne landesherrliche Genehmigung ver-öffentlicht hatte. Auch das Volk wurde von neuem gehetzt. In denStraßen Lissabons erschallten aufrührerische Stimmen: „Tod allen
Juden und Verräthern!" Aber in Rom blieb man fest zu Gunstender Marranen. Die Jesuiten gingen gar damit um, einen der ihrigen,den Beichtvater Fernandes, zum Generalinquisitor zu erheben ^).Dieser Plan drang zwar nicht durch, aber auch der ueuerwählte PapstJnnocenz XI., welcher einen neuen Generalinquisitor in Person desErzbischofs von Braga, Verrissimo da Alemcastro, ernannt hatte(1676), verbot ihm unter Androhung der Amtsentsetzung und desBannes gegen die Marranen zu verfahren, daß die Inquisition viel-mehr, bis die Angelegenheit geprüft sein würde, nur leichte Strafenüber Ueberführte, keinesweges den Tod oder Verurtheilung zur Galeereoder Güterconfiscationen verhängen dürfte"). Wahrscheinlich aufEingebung der Jesuiten verlangte derselbe Papst (24. Febr. 1678),daß ihm vier oder fünf abgeschlossene Prozeßakten über die wegenJudaisirens Berurtheilten zugeschickt werden mögen, um sich zu über-zeugen, welches Verfahren die Inquisition einznschlagen Pflegte, undbedrohte den Großinquisitor Verissimo und sämmtliche Unterbeamtenmit Amtsentsetzung und kanonischen Strafen, falls nicht innerhalbzehn Tagen die gewünschten Papiere dem päpstlichen Nuntius über-geben würden 2). Aber der Großinquisitor und seine Collegen dachtennicht daran, dem päpstlichen Befehle zu gehorchen. Darauf erklärteder Papst durch eine förmliche Bulle die Suspension da Alemcastro'sund aller ungehorsamen Inquisitoren von ihren Aemtern (27. Mai1679^). Jetzt zeigten die Inquisitoren offene Auflehnung gegen denPapst; sie legten ihre Stellen nicht nieder, und als der Nuntius befahl,daß die Schlüssel zu den Jnquisitionskerkern dem weltlichen Richterübergeben werden sollten, verweigerten sie es. Die Glieder versagtendem Leiter den Gehorsam. Dem Könige wußten sie beizubringen, daß,wenn dem Papste die Einmischung gestattet werden würde, es mit desKönigs Unabhängigkeit zu Ende sei. Der päpstliche Hof würde sichauch anmaßen, die Akten des weltlichen Gerichts vor sein Tribunalzu ziehen, angeblich um sie zu prüfen ch.
*) Bei Schäfer das. S. tt.
Urcklariara Xo. 9, oouslitult. Ivvoosirtüs XI.
-) Das. No. öl.
*) Das.
(Ouxtns irrswoirss llistorigass II., x. 2t fg.