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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Juden.

Rabbinen in Einzelhaft bringen und legte ihnen gewisse angeschuldigteStellen im Talmud zum Uebersetzen ins Arabische vor, mit derDrohung der Todesstrafe, wenn sie auf Fälschung ertappt werdensollten. Besonnene Türken schüttelten allerdings das Haupt beidiesem gegen die Juden gerichteten arglistigen Verfolgungssystem; abersie schwiegen. Ratti-Menton schloß die Akten und fällte ein Urtheil,als wenn es unwiderleglich erwiesen wäre, daß die eingezogenen JudenMörder des Paters Tomaso waren. Diejenigen, welche noch amLeben waren, sollten enthauptet werden. Scherif-Pascha holte zurVerurtheilung die Erlaubniß seines Herrn Mehmet Ali ein.

Als sollte die Blutanklage gegen die Juden einen Schein vonthatsächlicher Berechtigung haben und eine Vertilgung der Juden, alsblutdürstiger Caunibalen, gerechtfertigt erscheinen, fiel ungefähr zurselben Zeit auf der zur Türkei gehörenden Insel Rhodus etwasAehnliches vor. Ein zehnjähriger Knabe, Sohn eines griechischenBauern, hatte sich erhängt, und die Christen beeilten sich, die Judenals dessen Mörder anzugeben. Die europäischen Consuln nahmen dieSache in die Hand und verlangten von dem Statthalter Jussuf Paschaeine strenge Untersuchung gegen- die Juden. Auf die Aussage zweiergriechischer Weiber, daß der Knabe einem Inden von Rhodus gefolgtwäre, wurde derselbe eingezogen, verhört, eingekerkert und wegen seinesLeugnens unmenschlich gefoltert. Man durchbohrte ihm die Nasen-flügel mit einem eisernen Draht, legte ihm glühende Kohlen auf denKopf und einen schweren Stein auf das Herz. Das thaten oderließen Europäer und Christen thun, Consnlu der europäischen Mächte,Englands, Frankreichs und Schwedens; nur der österreichische Consulhielt sich auch hier von der Betheiliguug an der Unmeuschlichkeit fern-Diese Folterqualen an dem augeklagten Juden wurden ohne Wissendes Pascha durch dessen stellvertretenden Beamten angewendet. DasGeständniß sollte erpreßt werden, daß der Angeklagte den griechischenKnaben umgebracht habe, um dessen Blut dem Großrabbinen vonConstantinopel zu überliefern. Es war eine Art Verschwörung derChristen in der Türkei gegen die Juden, um sie an den Rand desAbgrundes zu bringen, vielleicht aus Scheelsucht, weil der junge SultanAbdul Megid bei seiner Thronbesteigung in seinem Gnadenbrief(Hatti-Scherif von Gulhane), allen Unterthanen seines Reiches gleichesRecht zukommeu zu lassen versprochen und auch die Juden eiuge-schlossen hatte. Die Griechen und die Lateiner in der Türkei achtetenihre erlangte Freiheit gering, weil sie sie mit den verhaßten Judentheilen mußten.