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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Die Juli-Revolution.

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und Christen aufzuheben. Ein Deputirter, Vieunet, beantragte (7. August1830) die Anerkennung einer Staatsreligion ans der Verfassung z»streichen und den Cultns der Juden gleich dem der Katholiken undProtestanten ans Staatsmitteln zu bestreiten. Sein Antrag fand all-gemeinen Anklang und wurde sogar von dem edlen Berryer, demParteigänger der Bourbonen, unterstützt; nur schien es nicht gerathen, indie Verhandlung über die Verfassung einen Geldpnnkt hineinznziehen.Einige Monate später (13. November) brachte MSrilhou, der Ministerdes öffentlichen Unterrichts, selbst einen Gesetzesvorschlag ein: dasJndenthum auf gleichen Fuß mit den beiden andern Bekenntnissen zustellen, die Synagoge und die Rabbinen ebenso aus der Staatskassezu besolden wie die Kirche und ihre Diener. Er ertheilte dabei denfranzösischen Inden das Lob, daß sie sich seit ihrer Erhebung durchdie Revolution würdig der ihnen gewährten Gerechtigkeit gezeigt hätten.Er ermahnte die Deputirten, dem Gesetze von der Gleichheit der dreiCulte znzustimmen.

In seiner Rede versetzte Mörilhon dem judenfeindlichen Deutsch-land einige derbe Seitenhiebe.Während die Mehrzahl der Nachbar-völker in Bezug auf die Inden noch unter der Gewalt der mittel-alterlichen Vorurtheile steht, werden Sie zeigen, daß die gesetzgebe-rische Inangriffnahme großer und edelsinniger Gedanken stets nnsermschönen Vaterlande Vorbehalten bleibt." Die französischen Indenkonnten stolz auf die Anerkennung sein, die ihnen im Verlaufe derBerathungen zu theil wurde. Auch wurde das Gesetz in der Depn-tirten-Kammer von 211 unter 282 Stimmenden angenommen.

In der Pairskammer war es nicht so leicht, die Gleichstellungdes Judenthums mit dem Christenthnm dnrchznsetzen; hier tagten nochZopfköpfe. Der Minister MLrilhon mußte daher seine glänzende Be-redtsamkeit aufbieten, um die Pairs günstig für seinen Gesetzesvorschlagzu stimmen. Er mußte zumeist dem Einwurfe begegnen, daß bei derZerfahrenheit der religiösen Anschauungen sich neue Sekten bildenkönnten und diese den Anspruch erheben, dürften, ebenfalls vom Staatunterstützt zu werden. Mörilhou hob daher die Bedeutung des Jnden-thums als bevorzugt hervor.Wenn ein Bekenntniß den doppeltenCharakter einer langen Dauer und einer beträchtlichen Zahl seiner An-hänger vereinigt, wenn es in allen Strichen der civilisirten Welt aus-geübt wird, so kann man unmöglich seinen Diener» die öffentlicheUnterstützung versagen, welche nur ein Zeichen der Hochachtung vonSeiten der bürgerlichen Gesellschaft für jeden religiösen Glauben ist.Alle diese Bedingungen erfüllt die hebräische Religion. Ihre Wiegeging der des Christenthums voran. Die während so vieler Jahr-

Graetz, Geschichte der Inden. XI.