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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Das erwachende Selbstgefühl.

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Hang und doch wie von gestern. Es durchmusterte zunächst die Denk-mäler seines Geistes, der inzwischen in die Völkergeschichte eingeschlagenund eine eigene Gestaltenfülle erzeugt hatte, um an ihnen einen Leit-faden' in dem Labyrinth seiner Erlebnisse zu haben. Das ist die Wissen-schaft des Jndenthums, die lebendige Vergegenwärtigung seiner großenGeschichte und seiner eigenartigen Lehre. Diese Rückerinnerung istfür dasselbe nicht ein behagliches Spiel, ein angenehmer Zeitvertreib,die Befriedigung der Wißbegierde, die der Neugierde ähnlich ist, son-dern ein unwiderstehlicher Trieb zur Selbsterprobung. Sie weckte inihm die eingeschlafene Kraft und flößte ihm das Selbstvertrauen ein,daß es in demselben Geiste wie in der Vergangenheit, auch in derZukunft wirken könnte. Das Selbstgefühl kam über dieses auf-erstandene alte Volk, und es begann einen Wettlauf mit den jungenVölkern, die ihm eiugeborne Eigenart auszuleben, das Selbstgefühl,ein Gottesvolk zu sein.

Doch nein, so weit reicht die Geschichte noch nicht; sie reicht nurbis zur Selbstachtung, daß die Söhne desselben wegen ihrer Ab-stammung und ihres Bekenntnisses nicht mehr erröthen, nicht mehrstottern, wenn sie danach gefragt werden, nicht mehr aus falscherScham einen falschen Schritt thun und ein Bekenntniß heucheln, dasihrem Innern jedenfalls mehr, als den darin Geborenen widerstrebt.Als wollte die Zeugungskraft der Geschichte dieses Gefühl besondersbegünstigen, ließ sie aus dem Schooße des jüdischen Stammes Künstlervon gediegenem Gehalte, Ton-, Farben- und Musenkünstler erstenRanges, entstehen, die durch ihr treues Ausharren dem Stamme Ach-tung und Anerkennung eintrugen. Diese Selbstachtung der Juden istallerdings die Wirkung der politischen Reife, und diese ist wiederumeine Tochter der wunderbaren Erfindungen und der zunehmenden In-telligenz, welche die letzten Jahrzehnte gebracht haben. Aber größten-theils haben die jüdische Wissenschaft und die daraus hervorgegangenenLeistungen begabter Juden sie geweckt, gestärkt und genährt.

Obwohl die Geschichte dieser Zeit noch im Flusse begriffen ist,sich noch nüt der flüchtigen Gegenwart berührt, und die Resultate der-selben noch nicht, wie in der abgeschlossenen Vergangenheit, faßbarsind, so ist es doch nicht zu verkennen, daß die Erstrebung dieser beidentheuren Güter, des Selbstgefühls und der Selbsterkenntniß imjüdischen Kreise, das Ziel derselben ausmacht. Beide hängen mit ein-ander zusammen, eines ergänzt und fördert das Andere. Die Er-kenntniß der eigne» Erlebnisse und der Geschichte ermöglichte denJuden, auf die Entstehung und Fortbildung ihres Volksthums, aufdie Eigenthümlichkeit ihrer Lehre unbefangen achten zu können und