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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Romantischer Judenhaß in Deutschland und Rom. 303

gesammt. Er entstellte die Geschichte und leugnete Thatsachcn, umuachzuweisen, daß sie von jeher nie anders gewesen seien. Eisen-mengers und andere judenfeiudliche Schriften gaben ihm Belege dafür.Die Zeit hatte allerdings einen Fortschritt gemacht. Rühs, ein fromm-gläubiger Christ, besudelte wenigstens nicht mehr, wie Grattenaner,Friedrich Bnchholz und Andere, die biblischen Schriften, um die Ver-worfenheit des jüdischen Volkes von Abraham, Joseph und Mose be-ginnen zu lassen. Aber wenngleich der Joseph am Pharaonischen Hofenicht ein Erzbetrüger gewesen war, so sei es doch ein anderer Josephgewesen, der Günstling eines anderen egyptischen Hofes, der Steuer-pächter Joseph. So wie dieser war, so seien die Inden überall undzu allen Zeiten gewesen, in Spanien ebenso wie in Polen. Die aller-unglanblichsten Märchen frischte Rühs wieder auf, um die Schlechtig-keit der Inden zu belegen. Die unmenschlichen Verfolgungen derselbenin Deutschland, die allgemeinen Blnthetzen zur Zeit der Kreuzzüge undspäter durch die Armleder und Rindfleisch, zur Zeit des schwarzenTodes, die Verfolgung durch Capistrano, alle diese Unmenschlich-keiten suchte er in milderem Lichte darznstellen und die Schuld der-selben ans die Juden zu wälzen. Rühs war ein ehrenwerter Mann;man kann seinen Versicherungen glauben, daß persönliche Rücksichtenkeinen Einfluß ans seine judenfeiudliche Schriftstellerei ausgeübt, unddaß er sogar früher den allgemeinen Hnmanitätsideen gehuldigt hätte.Aber er war von dem christlich-germanischen Schwindel ergriffen, undin dieser Verblendung verlor er den Maßstab für Recht und Unrecht,für Wahrheit und Schein.

Seine Schrift machte großes Aufsehen. Würdige und gelehrteMänner erklärten ihm, daß sie mit ihm vollständig übereinstimmten.Die deutsche Gelehrsamkeit, die zur Zeit Lessings, Abts, Kants undHerders die apostolische Verkünderin allgemeiner Menschenliebe gewesenwar, redete plötzlich die Sprache der Kirchenväter und hetzte zu Haßund Verfolgung. Schleiermacher und Fichte haben die Vertreter desdeutschen Geistes dahin gebracht, daß sie mit dem Urkatholicismus anJudenhaß wetteiferten. Pius VII., der in Folge der Restaurationwieder im Kirchenstaate regierte und die Jnguisition wieder einführte,um die Gottlosigkeit durch Scheiterhaufen auszutreiben, verordneteauch, daß die Juden die nnter französischer Herrschaft genossene Freiheitwieder verlieren sollten. Die Juden Roms mußten ihre schönenHäuser i» allen Theilen der Stadt räumen und wieder in das schmutzige,ungesunde Ghetto zurückkehren. Brodneid verband sich auch hier mitkirchlichem Fanatismus. Die römischen Tnchhändler sahen es mitscheelen Augen, daß die jüdischen Concurrenten ihre Waare auf dem