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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Juden.

kraft, die er, auf sein Feldhcrrutaleut vertrauend, so sehr verachtete,erhob sich ebenfalls gegen ihn. Aber auch die Völker waren gleichihm verblendet; sie brachen die Fesseln auf der einen Seite, um siesich an der andern Seite neu anzuschmieden. Die zwei Jahre (Mai1812 bis April 1814), von dem Augenblick an, wo Napoleon mitmehr als einer halben Million Krieger gegen Rußland zog, bis zu demZeitpunkte, wo Alle, Alle von ihm absieleu, und er sich auf der Fluchtverkleiden mußte, um sich den Drohungen und Schmähungen der gegenihn erbitterten französischen Bevölkerung zu entziehen, sind ein lehr-reiches Kapitel der Geschichte. Es ist ein bluttriefendes, erschütterndesDrama.

Niemand hatte geahnt, daß das Große das Kleine in Mitleiden-schaft ziehen, daß Napoleons Sturz die Juden, denen er, wenn auchwiderwillig, die Freiheit gebracht hatte, auf eine lange Zeit in ihrealte Knechtschaft zurückschleudern würde. Jüdische Jünglinge wohl-habender Familien hatten an Todesmuth mit den christlichen gewett-eifert, sich in den Kampf zu stürzen, um den Riesen erlegen zu helfen.Ganz besonders in Preußen hatten sich zahlreiche Juden, von Be-geisterung für das Vaterland erglüht, den Freiwilligeuscharen ange-schlossen, froh in die Reihen ausgenommen zu werden und im Schlacht-gewühl mit ihrem Blute den Makel der Feigheit auszulöschen, den dieGegner der Gleichstellung ihnen so oft angeheftet hatten. Die jüdischeJugend zahlte die Freiheit, welche sie auf dem Papier erhalten hatte,baar mit ihrem Leben. Z Jüdische Aerzte und Wundärzte fielen als

i) Die Thatsache von der Betheiligung jüdischer Freiwilliger am Befrei-ungskriege wurde und wird noch von den Fälschern der Geschichte und denJudenfressern guauci memo öfter abgeleugnet. Es ist daher nothwendig, dieauthentischen Berichte darüber zusammenzustellen. Hardenberg schrieb 4. Jan.1815: „Die jungen Männer jüdischen Glaubens sind die Waffengefährten ihrerchristlichen Mitbürger gewesen, und wir haben auch unter ihnen Beispiele deswahren Heldenmuthes und der rühmlichen Verachtung der Kriegsgefahren auf-zuweisen, sowie die übrigen jüdischen Einwohner (Berlins), namentlich auch dieFrauen in Aufopferungen jeder Art den Christen sich angeschlossen haben" (beiKlüber, Aktenstücke des Wiener Kongresses I, 476, auch bei C. Aug. Buchholz,Aktenstücke und in anderen s8ulamit IV, Bd. 1, S. 367 f.) Quellen). MajorBurg, Geschichte meines Dienstlebens (Berlin 1854) giebt ein getreues Bilddes Enthusiasmus der jüdischen Jünglinge, unter die Freiwilligen zu treten,und wie es ihn schmerzte, daß er den Feldzug nicht mitmachen konnte.Julius v. Voß, die Hep-Heps in Franken, S. 26: „Wenn in jener Zeit (1813)die reichsten (jüdischen) Wechsler zu Berlin ihre Söhne unter die Waffenstellten — nicht etwa suchten sie mit Geld sich dessen zu entheben, wie ihreFrauen zu den Vereinen traten, den verwundeten Schwester» Hilfe brachten,die Spitäler täglich besuchten, worin der ansteckende Typhus herrschte." — Inihrer Petition an Stein erinnerten die Frankfurter Juden ihn daran, daß ihre