Verbreitung der Emancipation.
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sie tief, daß Juden von Seiten der deutschen Fürsten noch immer alsAuswürflinge oder Thiere behandelt wurden. Sie stellten daher denAntrag an die Nationalversammlung, dem batavischen Gesandten beider französischen Republik die Weisung zugehen zu lassen, bei demFriedenscongresse zu Rastatt zu beantragen, daß die holländischen Indenin Deutschland nicht mehr dem Leibzoll unterworfen werden sollten,widrigenfalls alle durch Holland reisenden Deutschen derselben entehrendenBehandlung unterworfen werden würden. Die Nationalversammlungging auf dieses Gesuch ein ft.
Die gerechte Vergeltung verfuhr aber bald noch viel herber mitden deutschen Fürsten und Völkern, welche, hartnäckig wie Pharao unddie Egypter, die Inden von der Kette der Kammerknechtschaft nichtlösen mochten. Sie wurden bald selbst zu Knechten der französischenRepublik und mußten sämmtlich Leibzoll zahlen. Helden in erstaun-licher Zahl und Größe, welche Gottes Strafgericht an den erbärmlichen,europäischen Machthabern ausüben sollten, gingen aus dem dunklenSchooß des französischen Volksthums hervor. Ueberall in Deutsch-land und Italien, wo die heldenmüthigen Franzosen festen Fuß faßten,wurden auch die Juden frei. Die Ghettomauern wurden gesprengt,die gekrümmten Gestalten richteten sich auf. In Venedig, wo dasGhetto seinen Ursprung hatte, öffnete es sich beim Einzug der Franzosen.In Piemont begrüßte ein Geistlicher die Befreiung der Inden in derSynagoge mit einem Gebete und einer feurigen Rede 2 ). Köln z. B.,wo seit dem fünfzehnten Jahrhundert kein Jude über Nacht bleibendurfte, mußte, als es französisch geworden war, einem Inden JosephIsaak, der sich nachmals Joseph Stern nannte, die Aufnahme ge-statten (1798). Freilich lebte er und die Seinigen in der ersten Zeitin Zittern. Als einst des Nachts ein Sturmläuten gehört wurde,und die Leute in plattdeutscher Sprache einander zuriefen: „Büdden(Wasserkufen) heraus, Büdden heraus!" schickten er und die Seinigensich zur eiligen Flucht an. Sie hatten nämlich verstanden: „Jüdenherausft." Es war eine Vorahnung des Hep-Hep-Sturmes.
ft Iltslll das.; C. Grund, „Ist eine Verbesserung der Stellung der Juden inDeutschland dem Recht und der Klugheit gemäß"? Anfang: „Es ist bekannt, daß dieJuden von Holland, glücklich in der bessern Existenz, und durch das noch traurige Loosihrer deutschen Brüder zur mitleidigen Theilnahme gestimmt, in einem besonder»Schreiben bei der französischen Gesandtschaft zu Rastatt einkamen, wegen derlästigen Distinctionen dieser in Deutschland und wegen mehrerer denselben zuerthsilender Rechte mit dem deutschen Gesandten zu unterhandeln."ft Orsn'airs, nouvsllss obssrvations sur Iss üuits (1806).ft Weyden, Geschichte der Juden von Köln, S. 27S.