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Geschichte der Juden.
Die europäischen Völker stellten einen förmlichen Wetteifer an, Grau-samkeiten an den Juden zu üben, und immer waren es die Geist-lichen, welche im Namen einer Religion der Liebe diesen bodenlosenHaß anschürten. Straffe Regierung oder Anarchie, die Juden littenunter der einen nicht weniger als unter der andern.
In Deutschland wurden sie durch die Wirren, welche nach demTode Kaiser Friedrichs II. bis zur Kaiserkrönung Rudolph's vonHabsburg zwischen den Ghibellinen und Guelfen entstanden, zuTausenden hingeschlachtet. Es fielen alljährlich Märtyrer bald inWeißenburg, Magdeburg, Arnstadt, bald in Koblenz,in Sinzig, Erfurt und anderen Orten. In Sinzig wurde dieganze Gemeinde am Sabbat in der Synagoge verbrannt *). Es gabchristlich-deutsche Familien, die ihren Ruhm darein setzten, Juden zuverbrennen und sich mit Stolz Judenbreter (Judenbrateri nannten ^j.Die Vertreter der Kirche sorgten ihrerseits dafür, daß ihre Beicht-kinder nicht etwa durch näheren Umgang mit Juden in ihnen Menschenerkennen und ihr Herz nicht dem Mitleid zugänglich machen sollten.In Wien kam während der deutschen Kaiserwirren eine große Kirchen-versammlung zusammen (12. Mai 1267) unter dem Vorsitz des päpst-lichen Legaten Gudeo. Die meisten deutschen Kirchenfürsten betheiligtensich dabei und wendeten auch den Juden ihre Sorge zu. Sie be-stätigten feierlichst jene Gesetze, welche Jnnocenz III. und seine Nach-folger zur Brandmarkung der Juden eingeführt hatten^). Judendürften keine christlichen Dienstboten halten, zu keinem Amte zugelassenwerden, nicht mit Christen in Schänken und Bädern zusammenkommen,und Christen sollten keine Einladung von Juden annehmen, nichtmit ihnen disputiren. Als wollten die Deutschen beweisen, daß sie inVerachtung der Juden die übrigen Nationen noch übertreffen könnten,begnügten sich die Mitglieder des Wiener Concils nicht mit derBestimmung, daß die deutschen Juden einen Flecken an dem . Ober-kleid tragen sollten, sondern sie zwangen ihnen eine entstellende,den Spott der Gassenbnben herausfordernde Kopfbedeckung auf: spitze,gehörnte Hüte oder Kappen (kilsum oorautum), damit sie dadurchunter Christen leichter erkennbar seien. Blutige Verfolgungenwaren die natürlichen Folgen solcher Ausschließung. In Weißen-burg wurden von neuem sieben fromme Männer ohne die geringste
Mainzer Memorbuch, in Arnstadt 1284, in Koblenz 1265, in Sinzig 1286,s. Stobbe a. a. O. S. 282.
Herzog, Elsäisische Chronik VI. S. 18V.
2) ^luvsi oonoilin XXIII. x. 1174 sf. (Joseph Wertheimer) Juden inOesterreich I. S. 84.