Druckschrift 
2 (1854)
Entstehung
Seite
342
Einzelbild herunterladen
 

3L2

ihm meldete, daß ein junger Italiener um eine Au-dienz bitte. Seinem Charakter nnd Gewerbe nach zu-gänglich, ließ er den Bittsteller augenblicklich vor.

Der Johanniter erkannte sogleich den Pagen, mitdem er in Avignon zusammengetroffen war, und alsAngelo Villani mit freimüthigcr Keckheit sagte: „Ichbin gekommen, um Herrn Walter von Montreal anein Versprechen zu erinnern — —" unterbrach ihnder Ritter mit herzlicher Freundlichkeit: „Dessen be-darf es nicht — ich erinnere mich. Kann Dir meineFreundschaft nützen?"

„Ja, edler Signor!" erwiderte Angelo ; „ich weißnicht, wo ich anders einen Gönner suchen soll."

„KannstDu Lesen und Schreiben? Ich fürchte, nein."

„Man hat mich in beider» unterrichtet," versetzteVillani.

„Es ist gut. Bist Du von edler Geburt?"

„Ich bin es."

„Oder besser — Dein Name?"

„Angelo Villani."

„Ich nehme Deine blauen Augen und Deine nie-dere breite Stirne," sagte Montreal mit einem leichtenSeufzer, „zum Pfand Deiner Treue. Von nun an,Angelo Villani, gehörst Du zu meinen Geheimschrei-iern. Ein andermal sollst Du mir mehr von Dirselbst erzählen. Dein Dienst beginnt mit dem heu-tigen Tage. UcbrigenS fehlt es Keinem, der Waltervon Montreal dient, an Geld, n»b auch nicht an Be-förderung, wenn er ihm treu dient. Mein Gemach,zu welchem jene Thüre führt, ist Dein Wartzimmer.